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Archive für 5.12.2007

Prostatakrebs: Fettleibigkeit kann Testergebnisse verfälschen

PSA-Werte werden durch das Gewicht beeinflusst

Durham - Ärzte müssen das Gewicht eines Patienten berücksichtigen, wenn sie die Testergebnisse bei Prostatakrebs auswerten. Wissenschaftler des Duke Prostate Center http://www.dukehealth.org haben nachgewiesen, dass Fettleibigkeit die Ergebnisse verfälschen kann. Fettleibige Männer verfügen über mehr Blut. Aus diesem Grund kann die Konzentration der Antigene geringer sein, die als Marker für eine Erkrankung eingesetzt werden. Für die im Journal of the American Medical Association http://jama.ama-assn.org veröffentlichte Studie wurden die Daten von 14.000 Patienten ausgewertet.
Dieser Forschungsansatz könnte erklären, warum stark übergewichtige Männer anscheinend an aggressiveren Krebsformen erkranken. Die Tumore dürften im Anfangsstadium einfach nicht festgestellt werden. Der PSA-Test für das prostataspezifische Antigen gilt als notorisch unzuverlässig. Rund ein Drittel der Männer mit erhöhten PSA-Werten werden nicht an Krebs erkranken. Trotzdem müssen sie umfangreiche Tests über sich ergehen lassen. Andererseits erkennt der Test laut Studie immer wieder eine Krebserkrankung nicht.

Der Urologe Stephen Freedland erklärte, dass diese Forschungsergebnisse tatsächlich eine Begründung dafür liefern, warum fettleibige Männer dazu neigen niedrigere PSA-Werte zu haben als normalgewichtige. “Wird das Körpergewicht nicht berücksichtigt, übersehen wir vielleicht viele Krebserkrankungen.” Bei den dicksten Patienten lagen die PSA-Werte 21 Prozent unter jenen von normalgewichtigen. Allein in Großbritannien ist der Prostatakrebs für 13 Prozent der tödlichen Krebserkrankungen verantwortlich. Nach dem Lungenkrebs handelt es sich um die am häufigsten letale Krebserkrankung. Michaela Monschein

Genetisches Wettrüsten von Wirt und Parasit wissenschaftlich bewiesen

Red-Queen-Theorie zum Verständnis für Ausbreitung von Infektionskrankheiten

Basel - Einem europäischen Forscherteam der Universitäten Basel http://www.unibas.ch und Leuven ist es erstmals gelungen, das Wettrüsten zwischen Wirt und Parasiten empirisch nachzuweisen. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass Wasserflöhe und Bakterien in den Sedimenten eines Teiches ein klares Muster einer Evolution zweier so genannter Antagonisten zeigen. Die Erkenntnis ist auch für die Humanmedizin von großer Bedeutung, da jährlich Mio. von Menschen an den Folgen von Infektionen sterben. Grund dafür ist in vielen Fällen das unterschätzte Potenzial der Krankheitserreger, die sich genetisch an neue Situationen anpassen.

Unter der Red-Queen-Theorie versteht man die Hypothese zur Evolution, die das aus evolutionsbiologischer Sichtweise ständige “Wettrüsten” konkurrierender Organismen erklären soll. Die Theorie besagt, dass Genvarianten, die zu einem bestimmten Zeitpunkt im Kampf gegen Pathogene hilfreich sind, zu einem späteren Zeitpunkt diesen Vorteil verlieren, weil sich die Parasiten an ihre Wirte anpassen. Obwohl diese Theorie bereits seit 30 Jahren diskutiert wird, konnte sie bisher immer nur durch indirekte Beobachtungen untermauert werden. Nun ist den Forscher allerdings der Durchbruch gelungen.

Das Team um Dieter Ebert vom Zoologischen Institut der Universität Basel konnte zusammen mit Wissenschaftlern aus Belgien und Frankreich die Dynamik der Koevolution aufzeigen. Sie machten sich dabei zunutze, dass sowohl die Wasserfloh-Wirte - es handelt sich um kleine Krebse - wie auch ihre Pathogene (sporenbildende Bakterien) so genannte Dauerstadien bilden. Diese Dauerstadien können auch nach mehr als 30 Jahren aus den Sedimenten von Seen und Teichen isoliert und wieder zum Leben erweckt werden. Die daraus resultierenden Zeitserien erlaubten es zu zeigen, dass das Bakterium sich ständig an ihre sich ebenfalls weiterentwickelnde Wirtspopulation anpasst. Die Bakterien entwickeln dabei höhere Infektionsraten, die Wirte werden immer wieder resistent.

Die experimentelle Unterstützung der Red-Queen-Hypothese ist ein wichtiger Schritt im Verständnis, wie und wie schnell sich Infektionskrankheiten und ihre Wirte in natürlichen Systemen aneinander anpassen. Die Theorie kann zur Klärung vieler bekannter Phänomene beitragen, wie zum Beispiel der genetischen Diversität von Resistenzgenen und dem Evolutions-Nutzen der zweigeschlechtlichen Fortpflanzung. Wolfgang Weitlaner

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