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Archive für 2.6.2008
WWF: Artenschwund in Deutschland hält an
2.6.2008 von zaro.
Hälfte aller Biotope droht zu verschwinden
Frankfurt - Die Zahl der bedrohten Biotope in Deutschland hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen, die Rote Liste der Tierarten wird immer länger. Das geht aus dem heute, Mittwoch, veröffentlichten WWF-Bericht “Naturschutz in Deutschland. Schutzgebiete und das Biodiversitätsziel 2010″ hervor. “Die potenziellen Lebensräume sind immer weniger geworden. Auch die deutschen Naturschutzgebiete sind in ihrer Qualität nicht ausreichend, um dauerhaft vielen Arten Schutz bieten zu können”, sagt WWF-Artenschutzexperte Frank Barsch im Gespräch mit uns. In der Bundesrepublik fehle es noch immer an Maßnahmen, um die Qualität der Lebensräume zu erhalten, da die geschützten Gebiete oft zu klein oder zu isoliert seien und sich oft in unmittelbarer Nachbarschaft zu agrarisch genutzten Flächen befänden.
Die Bundesregierung hat sich der Vereinbarung der Europäischen Union angeschlossen, bis zum Jahre 2010 den Verlust der biologischen Artenvielfalt zu stoppen. Der WWF sieht dieses Ziel als nur mehr schwer erreichbar. Die Zahl der bedrohten Biotope habe sich seit 1994 von 68,7 auf 72,5 Prozent erhöht, langfristig drohe gar die Hälfte aller Biotope zu verschwinden, berichtet Barsch. Auch die Liste der bedrohten Tierarten verlängere sich stetig. Zwar haben sich die Bestände besonders gefährdeter Arten wie Seeadler, Kranich, Luchs, Biber und Seehund erholt, der Wolf sei gar zurückgekehrt. Dennoch dürften diese positiven Nachrichten nicht über die derzeitige Lage hinwegtäuschen. “Besonders Amphibien und Reptilien sind gefährdet”, mahnt Barsch. Selbst Allerweltsarten wie der Haussperling seien rückgängig.
Die Gründe für den Rückgang sowohl des Lebensraums als auch der Tierarten sieht der WWF in verschiedenen Faktoren begründet. Denn in Deutschland spielen die Intensivierung der Landwirtschaft, die Eutrophierung der Böden, die Zerschneidung und Versiegelung der Landschaft im Rahmen von Siedlungsbau und wirtschaftlichen Erschließungsprozessen zusammen. Zudem seien die Maßnahmen zum Schutz der Qualität in den Nationalparken und Biotopen nicht ausreichend. “Wir müssen ein Schutzgebietsnetz aufbauen, das den Arten dauerhaft Schutz bietet”, fordert Barsch. Ein erster Schritt in diese Richtung sei allerdings getan. So habe im vergangenen Jahr die Bundesregierung die Gebiete, die der europäischen “Flora-Fauna-Habitat”-Richtlinie entsprechen, nach Brüssel gemeldet. “Hierbei geht es um die Ausweisung von Schutzgebieten für besonders bedrohte Arten und Lebensraumtypen”, erläutert Barsch. “Wir sind froh, dass Deutschland die rund 4.600 Gebiete gemeldet hat. Allerdings erst zehn Jahre nach der ersten Deadline.” In diesen Gebieten müssten nun Schutzmaßnahmen etabliert werden, es gelte konkrete Pläne und Standards zu entwickeln und auch umzusetzen. “Denn bisher existieren diese Gebiete ja nur auf dem Papier,” fügt Barsch hinzu.
Um den Naturschutz sinnvoll voranzutreiben und den Artenverlust wirklich zu stoppen müssten Erhaltungsziele formuliert werden, die klare Verbote und Gebote enthalten. “Dazu bedarf es natürlich auch der Verpflichtung aller Länder, dass sie das Naturerbe erhalten wollen”, betont Barsch. “Denn sonst droht uns eine Verarmung der Landschaft und der natürlichen Umwelt.” Zumal sich Deutschland als Industrienation und Gastgeber des UN-Umweltgipfels “Übereinkommen über die biologische Vielfalt” http://www.cbd.int im Mai in einer Vorbildrolle befindet. “Es gilt dann vor 190 Nationen zu beweisen, dass wir es ernst meinen mit dem Schutz der natürlichen Vielfalt vor der eigenen Haustür.” (Ende)
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