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Archive für 7.10.2009
Mensch erwärmt Erde schon seit Jahrtausenden
7.10.2009 von zaro.
Lange Praxis der Brandrodung hinterließ Spuren im Klima
Charlottesville/Köln - Der Mensch beeinflusste das Klima schon mehrere tausend Jahre vor der Industriellen Revolution. Das behaupten US-amerikanische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift “Quaternary Science Reviews”. Ihre Überlegungen stellen die früher weit verbreitete Praxis der Brandrodung in den Mittelpunkt, durch die der Mensch besonders extensive Formen der Landwirtschaft betrieb. Hinweise für deren Einfluss auf das Klima glauben die Forscher in Sedimenten der Ozeane und in Eisschichten gefunden zu haben. Das stellt bisherige Klimamodelle in Frage, die Proportionen der heutigen Bodennutzung auch für die Vergangenheit übernehmen und bloß um den Faktor der Bevölkerungszahl ändern.
Heute benötigt die Landwirtschaft laut Berechnungen der Forscher 90 Prozent weniger Anbaufläche als in der frühen Menschheitsgeschichte, um denselben Ertrag zu erzielen. “Unsere Urahnen benötigten weit mehr Land für den Ackerbau, da sie wenig Anlass dafür hatten, die Erträge zu steigern. Es gab genügend Wald, den man verbrennen und somit wieder zu Ackerland umwandeln konnte. Diese Strategie dürfte sich ebenfalls auf das Klima ausgewirkt haben”, erklärt Studienautor William Ruddiman von der University of Virginia http://www.virginia.edu. Das durch Brände gewonnene, fruchtbare Land wurde bestellt, bis die Erträge zu sinken begannen und das nächste Feld gerodet wurde. Erst mit Anwachsen der Bevölkerung wurden intensivere Formen des Landbaus nötig.
Heute führe die intensive und hocheffiziente Landwirtschaft dazu, dass jährlich immer kleinere Anbauflächen pro Person benötigt werden. Als Folge breiten sich in vielen Regionen die Wälder wieder aus, unter anderem in Europa, Kanada, Russland, im Nordosten der USA und in Teilen von China. “Die positiven Umwelteffekte dieser aktuellen Wiederbewaldung wurden jedoch wieder ausgemerzt. Schuld daran ist das großflächige Verbrennen fossiler Brennstoffe, das seit Beginn der Industriellen Revolution vor 150 Jahren im Gang ist. Die Menschen bringen somit weiterhin Kohlendioxid in großem Ausmaß in die Atmosphäre und leisten damit ihren Beitrag für den Erwärmungseffekt”, so Ruddiman.
Brandrodung wird auch heute noch in einigen Waldregionen wie etwa Indonesien praktiziert. Die hier ansässigen Brandrodungsfeldbauern werden bei den Waldbränden auf dem Inselstaat, die die größten und gefährlichsten der Welt darstellen immer wieder als Klima-Sündenböcke dargestellt. Zu Unrecht, betont die Kölner Ethnologin Michaela Haug http://www.ethnologie.uni-koeln.de gegenüber ZAROnews. “Es ist längst nachgewiesen, dass die meisten großen Brände Indonesiens auf eine rücksichtslose Ausbeutung der Wälder und auf einen nicht-ökologischen und unsozialen Ausbau von Palmölplantagen zurückzuführen sind. Die erst dabei entstehenden verheerenden Waldbrände stellen tatsächlich eine große Gefahr für das weltweite Klima dar.”
Der traditionelle Brandrodungsfeldbau der indonesischen Bauern sei in der Regel weit eher nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit ausgerichtet. “Für die Nachhaltigkeit von Brandrodungsfeldbau entscheidet unter anderem die Bevölkerungsdichte und die Länge der Brache-Zeiten”, so Haug. Seien die Bedingungen entsprechend, können Brandrodungsfeldbau-Systeme auch sehr nachhaltig und flexibel gegenüber veränderten Umweltbedingungen sein. (Ende)
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Zu viel Sport macht abhängig
7.10.2009 von zaro.
Entzugserscheinungen gleich wie bei Rauschgift
Boston/Bonn - Wenn Sport im Übermaß betrieben wird, kann dies zu körperlicher Abhängigkeit führen. Das berichten Forscher der Tufts University http://www.tufts.edu in der Zeitschrift Behavioral Neuroscience. Sie konnten bei übertrainierten Ratten auf einfache Weise Entzugserscheinungen hervorrufen, die vom Rauschgift-Entzug bekannt sind. “Übermäßiges Laufen hat Ähnlichkeiten mit der Drogeneinnahme”, so die Forscher. Ausnutzen könne man dies, indem das positive Gefühl des Sports in die Therapie von Suchtkranken integriert werde.
Im Experiment beobachteten die Wissenschaftler 80 Ratten für mehrere Wochen. Man ermöglichte den Tieren während dieser Zeit, sich in einem Laufrad auszutoben, und gliederte sie nach dem Grad ihrer Aktivität in Gruppen. Abschließend verabreichte man ihnen entsprechend ihrem Körpergewicht eine Dosis des Medikaments Naloxon, das man bei Opiat-Überdosis zum Hervorrufen sofortiger Entzugserscheinungen einsetzt. Während faule Ratten kaum reagierten, zeigten die sportlichen typische Entzugserscheinungen wie Zittern, Krümmen oder Zähneklappern. Am stärksten war dieser Effekt bei den Tieren, die ihr Laufrad am häufigsten betätigt hatten. Die Studienautoren gehen davon aus, dass hier dieselben Prozesse im Belohnungssystem des Gehirns abliefen wie bei drogenabhängigen Ratten.
Vor einer Verwässerung des Suchtbegriffs durch Gleichstellungen mit Alkohol- oder Drogensucht warnt Volker Weissinger, Geschäftsführer des Fachverbandes Sucht e.V. http://sucht.de, gegenüber uns. “Viele Verhaltensformen wie etwa Arbeit, Putzen, Musik oder eben Sport müssten dann als Sucht bezeichnet werden, wenn sie im Übermaß betrieben werden. Eine Abgrenzung von ‘normalem’ Verhalten ist hier aber schwierig, zumal Höchstleistungen doch mitunter - gerade im sportlichen und kulturellen Bereich - gesellschaftlich anerkannt sind.” Entscheidend für die Frage, ob eine Abhängigkeit vorliegt, sei wieweit das eigene Verhalten kontrolliert werden kann oder nicht. Kritisch sieht Weissinger die Situation zudem dann, wenn etwa beim Trinken die Toleranzgrenze steigt oder Sozialkontakte unter der exzessiven Ausübung eines Verhaltens langfristig leiden.
Im Speziellen suchten die Forscher auch nach Hinweisen für die Essstörung bei Sportlern, der sogenannten “Anorexica Athletica”. Menschen, die an dieser Störung leiden, betreiben exzessiv Sport, um somit einen Abmagerungseffekt durch fehlende Essenseinnahme noch zu steigern. Sowohl aktive als auch faule Ratten untergliederte man dazu weiters in Gruppen, die nur zu einer Tageszeit Futter bekamen, während die anderen während des gesamten Tagesverlaufs fressen konnten. Der beabsichtigte Gewichtsverlust trat auch bei den fastenden Tieren ein. Bei der Naloxon-Probe zeigte sich, dass die Tiere, die nur einmal am Tag Futter bekamen und zugleich am meisten liefen, die insgesamt stärksten Entzugserscheinungen entwickelten. “In Verbindung mit anderen psychischen Störungen steht exzessiv ausgeübter Sport unter einem ganz anderen Licht”, betont auch Weissinger.
Grundsätzlich sieht der Suchtexperte das Glückserlebnis, das die Aussendung von Endorphinen im Gehirn auch beim mäßig betriebenen Sport auslösen kann, positiv. “Der Mensch strebt nach Glücksmomenten, die ihn aus dem Alltag herausheben. Sport ist eine grundsätzlich gesunde Form, um dies zu erreichen, da er das körperliche Wohlgefühl und die Leistungsfähigkeit fördert.” Die von den amerikanischen Studienautoren vorgeschlagene Einbeziehung des Sports in Entwöhnungsprogramme gibt es in der Praxis bereits. “Multimodal ausgerichtete Behandlungsprogramme beinhalten etwa neben Psychotherapie, Ergotherapie, arbeitsbezogenen Leistungen auch Sport und Bewegung. Viele Suchtkranke haben ihren Körper über längere Zeit vernachlässigt und profitieren von solchen Maßnahmen”, so Weissinger. (Ende)
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Grundwasser in Nordindien sinkt bedrohlich
7.10.2009 von zaro.
Größte Gravitations-Änderung der Erde nach Eisbergschmelze
Irvine/Stuttgart - Der Norden Indiens, Heimat von 600 Mio. Menschen und zugleich die am meisten bewässerte Region der Welt, verliert jährlich 54 Kubikkilometer Grundwasser. Das stellen Hydrologen von der University of California http://www.uci.edu in der Fachzeitschrift “Geophysical Letters” fest. Auf Grundlage von Satelliten-Messungen konnten sie berechnen, dass der Wasser-Nettoverlust den Norden Indiens in absehbarer Zeit der Wasserversorgung enorme Probleme bereiten wird. “Ich denke niemand wusste, dass sich das Wasser in dieser großen Region so schnell erschöpft”, so Forschungsleiter James Famiglietti.
Die Forscher machten sich Daten des 2002 gestarteten deutsch-amerikanischen Grace Recovery and Climate Experiment GRACE http://www.dlr.de/grace zunutze. Dabei handelt es sich um zwei Satelliten, die auf ihrem Parallelflug Veränderungen ihrer Distanzen per Mikrowelle präzise messen, was Rückschlüsse über die Anziehungskraft der Erde erlaubt. Denn wenn sich der vordere Satellit über eine Stelle mit ungewöhnlich starker Erdanziehung bewegt, beschleunigt er dabei und vergrößert den Abstand zum Zwillingssatellit, während beim Verlassen dieser Stelle das Umgekehrte eintritt. Die Gravitationsänderungen, die sich dabei zeigen, gehen in erster Linie auf Wasser auf und unter der Erdoberfläche zurück. Auf diese Weise wurde bereits das Schmelzen der Eisberge dokumentiert sowie das Verschieben von Ozeanströmungen, die Austrocknung von Überschwemmungen und die Entleerung großer Seen.
Die 2,7 Mio. Quadratkilometer große Tiefebene in Nordindien rund um die Hauptstadt Neu-Delhi löste nach den schrumpfenden Eisbergen das größte von GRACE registrierte Schwinden von Schwerkraft aus. Die Gravitationsänderungen entsprechen einem Nettoverlust von 54 Kubikkilometer Grundwasser pro Jahr, wobei die Schwankungsbreite neun Kubikkilometer beträgt. Je nach Region entspricht das einer Niederschlagsmenge von bis zu mehreren Zentimetern pro Jahr. Laut Forschern reichen die Dimensionen bereits, um den Wasserspiegel von einem stabilen zu einem fallenden Zustand überzuführen. Stets tiefere Brunnen und größere Pumpen werden für die Wasserentnahme nötig sein, wobei das zutage gebrachte Wasser jedoch zunehmend salzig und verschmutzt sein wird.
Dass der Wasserspiegel in Nordindien ständig sinkt, ist keine Überraschung, gilt diese Region doch als die am meisten bewässerte der Welt. 50 bis 75 Prozent der Landfläche werden mit gepumpten Grundwasser oder Reservoirwasser bewässert. Darüber hinaus beziehen die 600 Mio. Bewohner viel Grundwasser. Laut der GRACE-Datenanalyse wird das Grundwasser in dieser Dekade um 70 Prozent schneller herausgepumpt als man dies in den 1990er Jahren vorhersagte. “Man weiß in Indien bisher nicht, bis zu welcher Tiefe Wasser verfügbar ist. Sicher ist nur, dass es nicht bodenlos ist”, so Famiglietti.
Ein sinkender Grundwasserspiegel kann auch die Wasserqualität beeinträchtigen, ergänzt Jürgen Braun vom Institut für Wasserbau der Universität Stuttgart http://www.iws.uni-stuttgart.de gegenüber ZAROnews. “Viele Grundwasserleiter sind in Indien stark arsenhaltig. Sinkt der Grundwasserspiegel, gelangt Sauerstoff an das Arsen und löst es, was zu zahlreichen Krankheiten führen kann.” Auch andere Regionen wie etwa der mittlere Westen der USA seien vom Problem des sinkenden Grundwassers betroffen. “Auch hier muss immer tiefer nach Wasser gebohrt werden, was dann ständig ansteigende Energiekosten für die einzusetzenden Grundwasserpumpen nach sich zieht. Als eine der Gegenmaßnahmen beginnt man in den USA, Schmelzwasser aus den Rocky Mountains zurückzuhalten und zu infiltrieren. Große Bedeutung haben jedoch auch gesetzliche Regelungen, die den Wasserverbrauch nach Regionen beschränken”, so der Grundwasser-Experte. (Ende)
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