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Archive für 4.12.2009
Hoffnung belastet Wachkoma-Angehörige
4.12.2009 von zaro.
Ausbleibende Kommunikation ist Hauptproblem in der Pflege
Wien - Die hohe Herausforderung, einen Menschen im Wachkoma zu betreuen, ist eine Gratwanderung zwischen völliger Selbstaufgabe und konstruktiver Mithilfe. Dieser Problematik widmet sich die Jahrestagung der österreichischen Wachkoma-Gesellschaft http://www.wachkoma.at, die am morgigen Freitag in Wien stattfindet. Wachkoma bedeutet für Angehörige eine hohe emotionelle und finanzielle Belastung, liegt das Durchschnittsalter der Patienten doch bei 50 Jahren. “Ein Wachkoma-Patient ist nicht der greise Großvater, sondern oft der Lebenspartner und manchmal sogar das noch minderjährige Kind. Dadurch ist die Beziehung viel näher”, berichtet Johann Donis, Neurologe und Präsident der österreichischen Wachkoma-Gesellschaft, gegenüber uns.
Im Gegensatz zu vielen anderen schweren Krankheiten bedeutet Wachkoma eine plötzliche und radikale Änderung für Patienten als auch für Angehörige. “Am Anfang steht meist ein dramatisches Ereignis wie ein Verkehrsunfall oder ein Herz-Kreislauf-Problem, das Patienten und Angehörige aus dem Leben reißt”, so der Wiener Neurologe. Problematisch ist dabei besonders, dass damit die Kommunikation mit einem Schlag zusammenbricht. “Der Patient ist nicht verstorben, sondern lebt und hat die Augen geöffnet, kann sich jedoch anfangs weder durch Worte noch durch Gesten mitteilen oder auf Zuwendung reagieren.” Ob sich der Zustand bessert, könne man kaum vorhersagen.
Statt zu unterstützen, wird das Prinzip der Hoffnung für Angehörige oft zur hohen Belastung. “Mit hoher Sicherheit bleiben Wachkoma-Patienten auch im Fall des Erwachens ihr Leben lang schwer behindert. Die ständige Hoffnung der Angehörigen richtet sich vor allem darauf, wieder kommunizieren zu können und Rückmeldung zu erhalten.” Donis rät den Angehörigen, Formen des Umgangs mit der aktuellen Realität zu suchen anstatt permanent an die Zukunft zu denken. “Auch wenn Angehörige die Pflege selbst übernehmen, sollten sie sich dazu zwingen, ihr eigenes Leben weiter zu führen, die nötige Auszeit zu nehmen und soziale Kontakte weiter zu pflegen. Denn das Umfeld von Wachkoma-Angehörigen zieht sich schnell zurück, wenn das Gesprächsthema stets schon nach wenigen Minuten auf die Situation des Patienten umschwenkt.”
Weitere Hilfen, um als Angehöriger emotional mit der Situation zurecht zu kommen, sei die konkrete Mithilfe in der Betreuung im Fall der Stationspflege. “Die meisten Angehörigen kommen täglich zu Besuch. Statt dabei nur traurig zu sein, können sie auch selbst Betreuungsaufgaben übernehmen wie etwa die Mithilfe bei der Körperpflege oder in der Freizeitgestaltung”, betont Donis. Wichtig sei dafür ausreichende Informationen über Krankheitsbild und Möglichkeiten des Einwirkens, wodurch Angehörige zu den wichtigsten Vermittlern zwischen Pflegepersonal und Patienten werden. “Je vertrauter eine Person ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer Reaktion. Das ist ähnlich wie bei kleinen Kindern, wenn sie fremdeln.”
Die Pflege von Wachkoma-Patienten ist eine besonders personal- und zeitaufwändige Dienstleistung. “Jeder zweite Wachkoma-Patient wird zuhause betreut, wobei in der Regel eine Person die 24-Stunden-Pflege übernimmt und dafür oft den Beruf aufgibt”, so Donis. Erst wenige Institutionen - in der Regel Altenpflegeheime - ermöglichen eine Wachkoma-Betreuung, die gleichzeitig auch eine Begleitung der betroffenen Angehörigen bedeutet. Für diese hohe Herausforderung ist permanente fachliche Einschulung notwendig. “Es ist schwierig, Personal für diese Aufgabe zu finden”, weiß Donis. Derzeit startet in Wien das erste neunmonatige Curriculum zur Betreuung von Wachkoma-Patienten, das künftig jährlich veranstaltet werden soll. (Ende)
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Arbeit hält Pensionisten gesund
4.12.2009 von zaro.
Körper und Geist profitieren von Altersteilzeit-Modellen
College Park/Klosterneuburg - Statt völlig in Ruhestand zu gehen, sollten Senioren bei ihrer offiziellen Pensionierung besser in die Altersteilzeit wechseln. Das würde das Krankheitsrisiko verringern, die Bewältigung des Alltags fördern und geistige Funktionen besser erhalten, berichten Psychologen der Universität Maryland http://www.umd.edu im Journal of Occupational Health Psychology. Ausgehend von den Ergebnissen einer landesweiten Studie in den USA schlagen die Wissenschaftler eine “Übergangsbeschäftigung” in Form einer Halbtagsstelle, einer freiberuflichen Tätigkeit oder einer vorübergehende Aushilfstätigkeit vor. “Die Suche nach einer passenden Beschäftigung in der Pension kann Senioren den Übergang in den Ruhestand erleichtern und zum Erhalt körperlicher und geistiger Gesundheit beitragen”, so Studien-Mitautorin Kenneth Shultz.
Ausgewertet wurde die “Health and Retirement Study”, die 12.000 Teilnehmer im Pensionsantrittsalter sechs Jahre lang regelmäßig nach Gesundheit, Finanzen, Beschäftigung sowie Arbeits- oder Pensionsalltag befragte. Zur Feststellung der Gesundheit wurden ärztliche Beobachtungen zu Bluthochdruck, Diabetes, Krebs, Herz- und Lungenkrankheiten, Schlaganfall oder psychiatrische Probleme berücksichtigt, daneben auch demografische Angaben. Es zeigte sich, dass Pensionisten mit Übergangsbeschäftigungen gesünder waren als Renter im völligen Ruhestand. Auch die geistige Fitness, die man per Fragebogen erhob, blieb bei Arbeitstätigkeit eher erhalten. Weniger Vorteile zeigten sich allerdings, wenn nach der Pensionierung ein Wechsel in neue Berufsfelder stattfand, was vor allem bei finanziellen Engpässen der Fall war. Als Ursache vermuten die Studienautoren Anpassungsprobleme an neue Arbeitsbedingungen. “Erfolgt der Spartenwechsel nicht freiwillig sondern infolge einer Notwendigkeit, können die Vorteile einer Übergangsbeschäftigung oft nicht ausgenutzt werden”, so Studienleiter Mo Wang.
Dass Altersteilzeit eine gute Übergangsform in den Ruhestand darstellt, betont auch Stefan Bayer, Präsident der österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin http://www.aam.at im ZAROnews-Interview. “Oft schieben Menschen Unternehmungen wie etwa Reisen auf die Zeit nach der Pensionierung auf. Erreichen sie jedoch dieses abrupte Ende von 40 auf null Arbeitsstunden, empfinden sie dies oft wie den Sturz in einen Abgrund. Gerade in dieser Phase kommt es oft zu bösartigen Erkrankungen”, erklärt der Mediziner. Erklärbar sei dies durch die stressbedingte Hormonausschüttung, die die totale Lebensumstellung mit sich ziehe, sowie durch das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden. “Eine Weiterführung der Berufstätigkeit in reduzierter Form vermittelt hingegen das Bewusstsein, weiterhin einen sinnvollen Beitrag liefern zu können. Daneben können auch die Firmen vom Potenzial ihrer pensionierten Mitarbeiter profitieren”, so Bayer.
Der Arbeitsmediziner empfiehlt Mitarbeitern kurz vor dem Pensionsantritt, mit ihren Betrieben ein Modell des Übergleitens in den Ruhestand auszuhandeln. “Trotz geringerer Arbeitsstunden und Gehalt kann so die Verbindung eines Mitarbeiters mit dem Unternehmen weiter aufrecht erhalten werden.” Umgesetzt werde das bisher am ehesten in Banken, im Dienstleistungsbereich oder in der Industrie, wenn Pensionisten etwa als Tutoren für die Einschulung von Berufsanfängern herangezogen werden. Dieses Modell sei allerdings in der Praxis durch zahlreiche Hürden belegt, sei es der Verlust der Pensionszahlungen ab bestimmter Einkommensgrenze oder die Versicherungsproblematik. “Scheint es auch demografisch sehr wahrscheinlich, dass die Altersteilzeit in Zukunft stärker betont wird, spricht die derzeitige Arbeitsmarktpolitik eine andere Sprache”, kritisiert Bayer. (Ende)
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Stammzellen-Verfahren ohne Embryos beschleunigt
4.12.2009 von zaro.
Alternative ist 200 Mal effektiver und doppelt so schnell
La Jolla - Wissenschaftler des Scripps Research Institute http://www.scripps.edu haben ein neues Verfahren zur drastischen Erhöhung des Ertrags von Stammzellen aus adultem Gewebe entwickelt. Dabei handelt es sich um einen konkreten Fortschritt bei der Herstellung großer Mengen von Stammzellen ohne den Einsatz von Embryos. Mit Hilfe von drei Wirkstoffen gelang es dem Team um Sheng Ding, das Verfahren 200 Mal effektiver und doppelt so schnell zu machen. Details der Studie wurden in Nature Methods http://www.nature.com/nmeth veröffentlicht.
Die Herstellung von Stammzellen aus adulten menschlichen Hautzellen wurde erstmals 2007 von japanischen und US-amerikanischen Wissenschaftlern der Öffentlichkeit präsentiert. Mit Viren wurden vier Gene in die Zellen eingebracht, die die Aktivierung und Deaktivierung von anderen Genen anregten und so dazu führten, dass diese wieder zu Stammzellen wurden. Dieses Verfahren dauerte laut BBC jedoch Wochen und die Erfolgsrate lag bei einer von 10.000 Zellen.
Chemikalien zur Optimierung
Die aktuellen Forschungen basieren auf diesem Verfahren und auf der Hinzufügung von Chemikalien zur Optimierung. Es war zuvor bereits gelungen, die Anzahl der entstandenen Zellen mit zwei Verbindungen zu erhöhen, die einen natürlichen Vorgang einleiteten, der die Zellen näher an einen den Stammzellen ähnlichen Zustand brachte. Durch die Hinzufügung von Thiazovivin erhöhte sich die Anzahl der umgewandelten Zellen um das 200-Fache. Bei Thiazovivin handelt es sich um ein kleines Molekül, das beim Überleben von Zellen eine Rolle spielt. Der endgültige Umwandlungsprozess dauerte zwei Wochen. Zuvor war dafür ein Monat erforderlich.
Laut Sheng Ding sei es gelungen, einen grundlegenden Ablauf in den Zellen zu beeinflussen. In Hinsicht auf Geschwindigkeit und Effektivität seien bedeutende Fortschritte erzielt worden. Es handle sich um die erste Beschleunigung der Umprogrammierung menschlicher Zellen. Er geht davon aus, dass dieses Verfahren rasch übernommen werden und zu entscheidenden Fortschritten beitragen wird. (Ende)
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