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Archive für 18.2.2010
Überstandener Krebs verschlechtert die Gesundheit
18.2.2010 von zaro.
Mehr Erschöpfung und Infekte über Jahre hinweg
Cleveland/Wien/Berlin - Anlässlich des heutigen Weltkrebstages rücken auch die Menschen in den Vordergrund, die den Kampf gegen Krebs gewonnen haben. Trotz der Heilung bleiben viele von der Erkrankung gezeichnet, berichten US-Forscher von der Case Western Reserve University http://msass.case.edu im Journal of the American Geriatrics Society.
Die Wissenschaftler untersuchten 500 ältere Frauen, von denen die Hälfte einen bösartigen Tumor in Brust, Gebärmutter oder Eierstöcken überlebt hatte, während die anderen nie an Krebs erkrankt waren. Dabei zeigte sich, dass die früheren Krebspatientinnen viel häufiger erschöpft waren und an ihre körperlichen Grenzen gelangten, häufiger den Arzt besuchten und auch mehr Tage pro Jahr bettlägerig waren. “Es wird immer wichtiger, ältere Krebsüberlebende zu untersuchen. Ihre Empfindungen unterscheiden sich dramatisch von denen ihrer Alterskollegen”, betont Studienleiterin Aloen Townsend.
Krankheit und Behandlung belasten
“Etwa die Hälfte der Patienten, die jährlich neu an Krebs erkranken, überleben die folgenden fünf Jahre. Nach dieser Zeitspanne gilt in der Krebsmedizin ein Tumor als geheilt”, erklärt Günther Gastl, Präsident der österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie, im Interview. Rückfälle danach seien selten, allerdings entwickle sich bei rund fünf Prozent der Patienten infolge der Strahlen- oder Chemotherapie ein zweite Krebserkrankung. “Daher ist die jährliche Nachkontrolle bei einem Krebsfacharzt über lange Zeit wichtig”, so der Innsbrucker Krebsmediziner.
Krebsüberlebende gehören meist der älteren Bevölkerungsschicht an, liegt das Durchschnittsalter für Neuerkrankungen doch knapp unter 70 Jahren. Je älter der Patient sei, desto deutlicher sind oft die Folgen der überstandenen Krankheit und ihrer Behandlung. Beeinträchtigungen des Nervensystems oder des Geschmackssinns könnten häufig über längere Zeit andauern, zudem sinkt die körperliche und psychische Belastbarkeit. “Aufgrund des geschwächten Immunsystems neigt man auch dazu, bestimmte Infekte eher zu entwickeln”, erklärt Gastl.
Fruchtbarkeit bei Jüngeren in Gefahr
Bei bestimmten Tumoren, die schon im jüngeren Lebensalter auftreten können - etwa in den Hoden oder Eierstöcken - können laut dem Experten auch Fertilitätsstörungen zutage treten. “Besteht diese Gefahr, so werden manchmal Medikamente verabreicht, die die Keimdrüsen vorübergehend auf ’schlafend’ stellen und sie damit schützen. Auf Wunsch können auch Spermazellen oder Eierstockgewebe eingefroren werden, um eine spätere künstliche Befruchtung zu ermöglichen.”
Als wichtig erachtet Gastl, dass der Hausarzt über den Tumor, seine Behandlung und die möglichen Nebenwirkungen Bescheid weiß, damit es nicht zu Fehlbehandlungen kommt. “Vorsicht ist etwa bei Infekten gegeben. Die sonst häufig verschriebenen immunstimulierenden Mittel wie etwa Mistelpräparate können zum Beispiel Reste eines Lymphdrüsenkrebses reaktivieren.” Zu empfehlen sei daher, dass sich Hausärzte auch in der Behandlung ehemaliger Krebspatienten ständig weiterbilden.
Selbsthilfegruppen geben Unterstützung
“Die Tumore mit den höchsten Fünf-Jahres-Überlebensraten sind jene an Hoden, Harnblase, Hodgkin-Lymphome, Kehlkopf, Prostata und der schwarze Hautkrebs, letzterer jedoch nur bei früher Entdeckung”, erklärt Jan Thurner, Sprecher der deutschen Krebshilfe http://www.krebshilfe.de , gegenüber uns. Von der Art der Erkrankung hänge auch die notwendige Nachbetreuung ab. “Für Reha-Maßnahmen und zur Unterstützung für den Anschluss ins Berufs- und Familienleben sind besonders die Selbsthilfegruppen Ansprechpartner”, so Thurner. (Ende)
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