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Archive für 17.3.2010
Blütenduft ist von Insekten abgekupfert
17.3.2010 von zaro.
Pflanzen nutzen Sexual- und Abwehrsignale aus dem Tierreich
Zürich - Der Blütenduft, den wir Menschen so schätzen, ist in Wahrheit das Ergebnis der Kopie der chemischen Kommunikation der Insekten durch die Pflanze. Diese schützt sich damit vor Fressfeinden und lockt Bestäuberinsekten an, berichtet Florian Schiestl von der Universität Zürich http://www.uzh.ch in der Fachzeitschrift “Ecology Letters”. “Bisher wusste man, dass etwa Orchideen Sexualpheromone gezielt einsetzen. Ein ähnlicher Mechanismus dürfte jedoch für das gesamte Pflanzenreich gelten”, so der Studienautor im pressetext-Interview.
Schiestl analysierte die flüchtigen Signalmoleküle - sogenannte Pheromone - von 96 Pflanzen- und 87 Insektenfamilien. Dabei zeigten sich wesentliche Parallelen in den chemischen Substanzgruppen der Monoterpene und Aromate. Monoterpene kommen außer bei Pflanzen bei pflanzenfressenden Insekten in der Verteidigung vor, Aromate bei Bestäuberinsekten als Sexuallockstoffe. “Blüten dürften somit Aromaten zum Anlocken der Bestäuber und Monoterpene zum Abschrecken der Fressfeinde einsetzen”, schließt der Forscher.
Ergebnis der Evolution
Erklärbar sei dieses Phänomen durch die Evolution. “Einige kleine Moleküle kommen im primären Stoffwechsel sowohl bei Pflanzen als auch bei Insekten ident vor. Lockt die Ausbildung eines bestimmten Moleküls einer Pflanze mehr Bestäuber an oder schreckt Feinde ab, so wird dieses wegen des Erfolgs infolge der natürlichen Selektion im Laufe der Generationen stärker ausgebildet.” Da Blütenpflanzen mit 130 Mio. Jahren wesentlich jünger seien als viele Insektengruppen, dürften die Pflanzen die Insektenkommunikation kopiert haben und nicht umgekehrt.
Der Duft einer Blüte ist allerdings häufig sehr viel komplexer als die Kommunikationssignale von Insekten, gibt Schiestl zu bedenken. „Das Duftgemisch soll viele Funktionen gleichzeitig erfüllen. Für die Pflanze ist die Blüte der wertvollste Teil, da er die Samen produziert. Entsprechend gut verteidigt sie diesen Schatz und sorgt dafür, dass die Bestäubung erfolgt“, erklärt der Züricher Biologe. Oft seien es auch die Abschreckmittel Terpene, die vom Menschen in geringen Mengen als wohlriechender Duft wahrgenommen werden.
Duft für neue Medikamente
Die Bedeutung pflanzlicher Duftstoffe für den Menschen geht jedoch weit über die wohltuende Funktion hinaus. „Aus dem pflanzlichen Abwehrmechanismus geht zum Beispiel die Wirkung vieler Duftmoleküle gegen Pilze und Krankheitserreger hervor. Ebenso enthalten Kerzen, die Mücken fernhalten sollen, oft pflanzliche Substanzen.” Jedoch auch für die Pharmaindustrie seien Pflanzendüfte ein Sammelsurium für neue Medikamente und Kosmetika. “Da es so viele Pflanzen gibt und diese verschiedenste Düfte entwickelt haben, steht uns noch ein riesiges Ideenpool zur Verfügung”, betont Schiestl.
Originalartikel unter http://www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/fulltext/123317315/HTMLSTART?CRETRY=1&SRETRY=0 (Ende)
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Kleine Packungen machen eher dick
17.3.2010 von zaro.
Miniportionen verführen durch ihr unschuldiges Image
Lissabon - Miniportionen bei Schokolade, Chips oder Keksen helfen nicht dabei, die Linie zu halten. Vielmehr verleiten sie den Konsumenten, mehr kalorienreiche Nahrung aufzunehmen. Das berichten niederländische und portugiesische Psychologen im Journal of Consumer Research. “Konsumenten merken nicht, dass sie durch den kleinen, scheinbar unschuldigen Genuss zuviel essen. Große Packungen rütteln das Bewusstsein für gesunde Ernährung viel eher auf”, so die Forscher.
Minipackung tötet Gewissen
In einem Experiment wurden Testpersonen zunächst befragt, wie zufrieden sie mit ihrem eigenen Körper waren, ob sie Abnehmen wollten oder welche Diät sie verfolgten. Dann wurden sie vor einem Spiegel gewogen und gemessen - alles mit der Absicht, das Ernährungsbewusstsein möglichst stark zu aktivieren. Einer Kontrollgruppe ersparte man dieses Procedere. Alle Teilnehmer sahen schussendlich eine TV-Serie mit Werbeunterbrechungen, deren Spots es zu bewerten galt.
Ziel des Versuchsaufbaus war jedoch bloß, vom eigentlichen Interesse der Forscher abzulenken. Tatsächlich analysiert wurde nämlich allein der Verzehr von Kartoffelchips beim Fernsehen. Diese wurden - scheinbar als Belohnung für die Teilnahme - in verschiedenen Packungsgrößen gereicht. Es zeigte sich, dass die Probanden bei den großen Packungen weit länger mit dem Öffnen zögerten als bei kleinen, besonders wenn ihr Bewusstsein zuvor geschärft war. “Insgesamt konsumierten diejenigen mehr Chips, die kleine Packungen öffneten”, berichtet die Studienleiterin Rita Coelho gegenüber pressetext.
Industrie nutzt den Effekt gezielt
Die Tücke der Kleinpackung sieht Coelho darin, dass sie die Konsummenge vorgeben. “Wer sie öffnet, leert sie unverzüglich und ohne Bedenken, während bei der Großpackung viel eher das Gewissen ins Spiel kommt”, so die Forscherin. Die Hemmschwelle, nach einer kleinen Packung eine weitere zu öffnen, sei zudem sehr gering. Die Ergebnisse hätten somit gezeigt, wie weit Selbstwahrnehmung und Realität oft auseinander liegen.
Coelho beobachtet zwei gegenläufige Trends, was die in Supermärkten angebotene Packungsgröße betrifft. “Einerseits sind die Familienpackungen immer moderner, andererseits auch die Miniportionen. Letztere besonders oft bei Chips, Schokolade, Eis oder Keksen.” Gesund sind beide Packungsgrößen nicht. Bedenklich seien auf Hintergrund der Studienergebnisse auch die Multi-Packungen, bei der ein großer Sack viele Minipackungen enthält. (Ende)
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