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Archive für 15.6.2010

BP-Ölpest: Profitgier und technischer Pfusch schuld

Sicherheitsempfehlungen wegen Erfolgs- und Kostendrucks ignoriert

Wien - Die Explosion und der dramatische Untergang der Ölplattform “Deepwater Horizon” vor sieben Wochen ist die Folge verantwortungslosen Risikomanagements der Betreiber Halliburton, Transocean und BP. Das geht aus teilweise vertraulichen Informationen hervor, die pressetext vorliegen.

Bereits drei Wochen nach Beginn der Bohrungen im Oktober 2009 haben BP-Techniker festgestellt, dass in 4.000 Metern Tiefe unerwartet Gas vom Gestein in die Bohrung drang. Nachdem eine Mess-Sonde im Bohrloch steckenblieb und dann im geneigten Winkel bis auf 5.600 Meter weiter gebohrt wurde, nahm BP bewusst unzureichende Rohrabdichtungen in Kauf und verzichtete aus Kostengründen auf den zeitintensiven Einsatz einer Zement-Sonde des Ölfeld-Dienstleisters Schlumberger.

Risiken bewusst in Kauf genommen

“Der Erfolgs- und Kostendruck war immens”, sagt der Erdöl-Experte Paul Fink gegenüber der Nachrichtenagentur pressetext. “Der BP-Konzern hat für die Bohranlage eine Tagesmiete von fast einer halben Mio. Dollar an Transocean gezahlt, mit Nebenkosten sogar eine Mio. Dollar pro Tag”, sagt Fink, Vorstandsmitglied des börsennotierten Öl- und Gasexplorationsriesen AuDAX Resources http://audax.com.au. BP hat Gefahren bewusst in Kauf genommen, Mitarbeiter unter Druck gesetzt und das Risiko unterschätzt. Laut Kapitel 2.7 der Bohrpläne hielten die Techniker eine Eruption sogar für unmöglich.

Die Unbekümmertheit von BP überrascht selbst eingefleischte Branchenkenner wie Fink: “Es ist mir ein Rätsel, warum BP trotz der Kenntnis über weitaus mehr gelöstes und volatiles Gas als gedacht, so leichtsinnig gehandelt hat.” Beim Zementieren des Bohrlochs stieß Halliburton unerwartet auf schwierige Bedingungen und empfahl BP nachzubessern, um die Abdichtung durch den Zement sicherzustellen. Trotz Sicherheitsbedenken hat BP auch die Empfehlungen Halliburtons in den Wind geschlagen. Statt der empfohlenen 21 Zentrierungs-Tools installierte das BP-Bohrteam nur sechs Stück. Laut Fink operierte der Ölmulti damit “hart am Limit”.

Erdgas am tiefsten Punkt übersehen

Die Pannenserie begann aber bereits vor der Zementierung. Die Verantwortlichen pfuschten bei der Spülung in der Nähe des Reservoirs, um sicherzugehen, dass diese auch frei von Gas ist. Erst dann kann ein sicherer Zementabdichtungsjob durchgeführt werden, so Fink. Bei dem Zirkulationsvorgang - auch “bottoms up” genannt - wird der schwere Bohrschlamm nach oben gebracht und auf Gasgehalt überprüft. Erst dann sollte mit dem Zementieren begonnen und schließlich der schwere Bohrschlamm nach und nach mit leichtem Wasser ersetzt werden. Danach kann die Bohrung sicher auf Öl und Gas getestet werden.

pressetext vorliegenden Dokumenten nach hätte dieser Arbeitsschritt etwa zwölf Stunden - oder eine halbe Mio. Dollar mehr - gedauert. Laut dem Bohrbericht beendete BP den Vorgang am 19. April aber bereits nach 30 Minuten. So wurde Gas am tiefsten Punkt der Bohrung übersehen. Obwohl noch keine offiziellen Untersuchungsergebnisse vorliegen, hält Fink den enormen Zeit- und Kostendruck bei allen Beteiligten, der das bewusste Eingehen von Risiken scheinbar rechtfertigte, als Hauptgrund für die Katastrophe.

Denn als Anschluss zu den benachbarten Feldern war der Erdölfund namens “Macando” äußerst lukrativ. Außerdem hatte BP wahrscheinlich den Ehrgeiz, die Vormachtstellung im Golf von Mexiko gegenüber Rivalen wie Exxon Mobil zu verteidigen. Fink im pressetext-Gespräch: “BP operiert dort seit 15 Jahren äußerst aggressiv und hält Explorationslizenzen wie kein zweiter Ölförderer. Allein aus den Feldern, die BP dort betreibt, werden täglich 400.000 Barrel Öl produziert - mit Partnern sogar noch mehr.” (Ende)

Fixe Bettgehzeit macht Kinder klüger

Bessere kognitive Fähigkeiten durch regelmäßigen Schlaf

San Antonio/Salzburg - Sprechen, Lesen und Rechnen gelingt Kindern besser, wenn sie zu einer festgelegten Zeit ins Bett gehen. Das geht aus einer Studie hervor, die am gestrigen Montag bei der Tagung der US-amerikanischen Schlafmediziner präsentiert wurde. “Gelingt es Eltern, bei den Kindern fixe Schlafenszeiten durchzusetzen, so kann das eine wichtige Fördermaßnahme für die geistigen Fähigkeiten der Kinder sein”, berichtet Studienleiterin Erika Gaylor von der Forschungsinstitution SRI International http://www.sri.com.

Untersucht wurde dafür eine Geburtenkohorte von 8.000 Kindern. Im Alter von neun Monaten und nochmals mit vier Jahren befragte man deren Eltern nach den Schlafgewohnheiten und beobachtete mit Standardtests die Entwicklung. Sprachlicher Ausdruck und Verstehen, Erkennen der Aussprache, Lesefähigkeit und frühe Rechenkenntnisse waren bei den Vierjährigen am besten ausgeprägt, bei denen die Eltern Regeln für die Bettgehzeit aufstellten.

Einschlafen braucht Routine

Kinder mit regelmäßigem Schlaf entwickelten sich in kognitiver Hinsicht am besten. Als “optimale Schlafdauer” bei Vierjährigen bezeichnen die Forscher ein Minimum von elf Stunden. “Viele Kinder in diesem Alter schlafen weniger, was sich auf die Entwicklung und später auf die Schulleistungen auswirken kann”, so die Wissenschaftler. Erwiesen ist, dass Kinder ohne feste Schlafenszeiten kürzer als der Durchschnitt schlafen. Dasselbe gilt für Kinder, die nach neun Uhr ins Bett gehen - sie brauchen auch länger zum Einschlafen.

Als Erziehungsaufgabe für die Eltern empfehlen die Wissenschaftler daher, bei den Kindern fixe Schlafenszeiten zu etablieren. Hilfreich können dafür etwa das Vorlesen eines Buches oder Geschichtenerzählen sein. Derartige Maßnahmen der Entspannung am Tagesende verbessern Schlafdauer und –qualität erheblich, hat eine österreichische Studie unlängst gezeigt.

Regelmäßigkeit optimiert Lernen

Die Auswirkungen von Schlaf auf das Lernen erforscht auch der Psychologe Manuel Schabus von der Universität Salzburg http://www.uni-salzburg.at in einem Projekt. “Haben Kinder fixe Schlafenszeiten, so stellen sich die Körperhormone darauf ein und halten die Abfolge der Schlafstadien konstant. Wechselt Tiefschlaf, in dem Fakten des tagsüber Erlernten konsolidiert werden, in stets gleicher Weise mit dem Traumschlaf, der Unterbewusstes festigt, so ist das die bestmögliche Datenspeicherung”, veranschaulicht der Wissenschaftler im Interview.

Übertreiben brauchen Eltern ihre Konsequenz nicht, denn ein ab und zu späteres Zubettgehen etwa am Wochenende stelle kein Problem dar. “Die Umstellung erfolgt auch bei Kindern erst in längeren Zeiträumen. Weiters gilt bei Kindern wie bei Erwachsenen, dass man den Schlafbedarf nicht allgemein angeben kann. Manche Kinder brauchen mehr, manche weniger Schlaf”, so Schabus. Elf Stunden als von den US-Forschern genanntes Minimum sei bei Vierjährigen jedoch ein gutes Richtmaß. (Ende)

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