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Archive für 7.7.2010

Mediziner orten große Defizite bei künstlicher Ernährung

Probleme bei drei Viertel der Patienten festgestellt

London - Bei der künstlichen Ernährung von kranken Babys und Erwachsenen in Krankenhäusern gibt es große Defizite. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der National Confidential Enquiry into Patient Outcome and Death (NCEPOD) http://www.ncepod.org.uk gekommen. Bei drei Viertel der untersuchten Fälle wurden Probleme festgestellt. Beispielsweise wären Komplikationen bei der Hälfte der erwachsenen Patienten zu verhindern gewesen. Zu früh geborene Kinder erhalten nicht immer die notwendige Versorgung mit Nahrung und Versäumnisse sind weit verbreitet.

Viele Fehler

Für die Studie wurden die Daten von mehr als 1.000 Fällen künstlicher Ernährung in England, Wales und Nordirland analysiert. Bei der künstlichen Ernährung wird den Patienten Flüssigkeit mit allen wichtigen Nährstoffen direkt in eine Vene verabreicht. Ein ganzer Katalog von Problemen zeigte sich bei der Auswertung der Fragebögen und Krankenunterlagen. So ist oft nicht sicher gestellt, dass der Katheter durch ausgebildetes Personal unter sterilen Bedingungen gesetzt wurde. Dazu kamen Fehler bei der Überwachung und bei der Beurteilung.

Die Studie betont, dass eine künstliche Ernährung zu tödlichen Komplikationen führen kann, wenn sie nicht richtig verabreicht wird. Diese reichen von einer nicht ausreichenden Versorgung mit Kalorien und Vitaminen bis hin zur Blutvergiftung. Todesfälle konnten jedoch keine nachgewiesen werden. Es zeigte sich jedoch, dass bei fast einem Drittel der erwachsenen Patienten künstlich ernährt wurde, obwohl es andere Möglichkeiten über den Darm gegeben hätte. Dadurch wurden die Betroffenen einem unnötigen Risiko ausgesetzt.

Behandlung nach Zufallsprinzip

Laut James Stewart, dem NCEPOD Klinik-Kordinator, fehlt es an einem weiteren Verständnis und Wissen über die Ernährung der Patienten. Ärzte könnten in Panik geraten und glauben, das sei die einfachste Möglichkeit mit einem Kranken umzugehen. Es sei aber sicher nicht die leichteste und in machen Fällen sogar völlig unangebracht. Die Organisation fordert auch einen größeren Konsens bei den Neonatologen über das beste Verfahren zur Versorgung von Frühgeborenen. Bei der Auswertung der Daten zeigte sich nämlich bei der Art der Behandlung ein gewisses Zufallsprinzip.

Bei den 264 untersuchten Fällen kam es bei einem Drittel zu Verzögerungen beim Erkennen der Notwendigkeit einer künstlichen Ernährung. Weitere Verzögerungen folgten beim Beginn der Behandlung. In fast 40 Prozent der Fälle wurde die erste verabreichte Dosis als nicht den Bedürfnissen der Kinder entsprechend eingeschätzt. Komplikationen wären bei einem Fünftel der Babys zu verhindern gewesen. (Ende)

Lebenszufriedenheit für Gelingen der Partnerschaft entscheidend

Abweichende Werte von Mann und Frau führen oft zur Trennung

Mannheim/Wien - Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Paar sich trennt, ist umso größer, je stärker die Lebenszufriedenheit beider Partner voneinander abweicht. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des Zentrums Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) http://www.zew.de in Mannheim. “Die Langzeitstudie, die in Deutschland, Großbritannien und Australien durchgeführt wurde, hat auch gezeigt, dass das Trennungsrisiko vor allem dann zunimmt, wenn die Frau unzufriedener ist als der Mann”, so Studien Coautor Holger Stichnoth im Interview.

“Über einen Zeitraum von fast 25 Jahren hinweg, haben die Befragten jedes Jahr ihre Lebenszufriedenheit auf einer Punkteskala eingetragen. Beurteilt wurden dabei sowohl die allgemeine Zufriedenheit als auch jene der Partnerschaft”, erklärt Stichnoth. Allein für Deutschland wurden mehr als 253.000 Personen zwischen 18 und 65 Jahre befragt, die mit ihrem Partner in einem gemeinsamen Haushalt leben. Berücksichtigt wurden sowohl verheiratete Paare als auch als Paare ohne Trauschein. In einer zehnteiligen Skala mussten die Befragten ihren Zufriedenheitsgrad angeben. Zehn Punkte standen für vollste Zufriedenheit, null Punkte für absolute Unzufriedenheit.

Überraschendes Teilergebnis

“Für alle drei Länder hat sich gezeigt, dass das Trennungsrisiko, gemessen an der Summe der Zufriedenheit des Paares, für Unzufriedenere höher ist als für Zufriedene. Die Zufriedenheit des Paares wurde aus der Summe der beiden Zufriedenheitspunkte ermittelt”, erklärt der Ökonom. Die Trennungswahrscheinlichkeit steige, je stärker sich die Partner in ihrer Zufriedenheit unterscheiden. “Das ist kein wirklich überraschendes Ergebnis”, führt der Wissenschaftler aus.

Wenn die Zufriedenheit des Mannes bei drei und die der Frau bei fünf Punkten auf der Skala liegt, so erreicht das Paar eine Zufriedenheit von insgesamt acht Punkten. Die Zufriedenheitsdifferenz beider Partner beträgt zwei Punkte. Liegt bei einem zweiten Paar die Zufriedenheit des Mannes bei zwei, die der Frau bei sechs Punkten, erreicht auch das zweite Paar eine Zufriedenheit von insgesamt acht Punkten. “Dennoch liegt beim zweiten Paar die Trennungswahrscheinlichkeit höher als beim ersten Paar, weil die Differenz der Zufriedenheit beider Partner größer ausfällt”, kommentiert Stichnoth das überraschende Teilergebnis.

Glückliche Beziehung besteht aus glücklichen Partnern

“Eine glückliche Beziehung ist eine Beziehung, die aus zwei glücklichen Menschen besteht”, meint die Trainerin Christiane Deutsch http://www.christianedeutsch.com im Interview. Wenn die Unterschiede in der Zufriedenheit in einer Partnerschaft besonders groß sind, bedeute das auch, dass beide Partner ihr eigenes Leben und die Beziehung unterschiedlich wahrnehmen. Das führe eventuell zu einer Entfremdung. “Andererseits nehme ich mein Unglück stärker wahr, wenn neben mir mein Partner strahlt und das Leben genießt. Das erhöht den Frust noch weiter.”

“Oft lebt der Partner auch Teile von uns aus, die wir selbst unterdrücken. Da wäre es hilfreich, die Spiegelgesetzmethode zu Rate zu ziehen und zu hinterfragen, was das mit mir selbst zu tun hat”, meint Deutsch. Letztendlich bleibe es einem nicht erspart, selbst Verantwortung für das eigene Glück zu übernehmen. “Nur wenn ich selbst glücklich und zufrieden bin, habe ich auch etwas zu geben und kann damit zu einer gelungenen Beziehung beitragen”, meint die Trainerin abschließend gegenüber uns.

Kaufsucht ist auch ein Männerproblem

Marketing-Experte: “Emotionalität der Marken wird zur Gefahr”

Friedrichshafen/Kopenhagen - Kaufsucht ist kein Frauenproblem, sondern betrifft Männer genauso. Das haben Marketing-Forscher der Zeppelin Universität http://www.zeppelin-university.de gezeigt. Sie wiesen nach, dass kaufsüchtige Männer im Gehirn genauso reagieren wie Alkohol- oder Nikotinsüchtige. “Männer sind weit häufiger kaufsüchtig als vielfach vermutet wird. Man sollte dieses Suchtverhalten auch bei ihnen nicht belächeln”, fordert Studienleiter Peter Kenning im pressetext-Interview.

Gleich wie Alkohol- und Nikotinsucht

Rund eine Mio. Menschen in den deutschsprachigen Ländern sind kaufsüchtig, davon gefährdet ist jeder Zwanzigste. Kaufsüchtige schädigen sich selbst, indem sie über die eigenen Verhältnisse leben. Sichtbar wird dies etwa im impulsiven Kauf nicht leistbarer Artikel und im Horten nicht ausgepackter Ware. Die finanziellen und sozialen Folgen für die Betroffenen und ihre Familien sind meist dramatisch.

Bisher weiß man kaum, was sich im Gehirn von Kaufsüchtigen abspielt. Die Forscher verglichen nun die Reaktionen von Männern mit und ohne starker Kaufsucht-Tendenz. Als Stimuli dienten typische Männer-Marken. In der funktionellen Magnetresonanz war bei potenziell Kaufsüchtigen das Belohnungszentrum deutlich aktiver als bei Männern ohne Kaufsucht. “Es ist dieselbe übersteigerte Reaktion, die man bei Alkoholikern mit einer Flasche Wein oder bei Nikotinsüchtigen mit einer Schachtel Zigaretten auslöst. Sie spiegelt Vorfreude und starkes Verlangen oder Echo erfahrener Belohnung wider”, berichtet Kenning.

Männer mögen Rolex und Mercedes

Alle Männer bejahen die Frage, ob sie Marken wie Rolex oder Mercedes attraktiv finden und gerne kaufen würden. “Den Unterschied, der Kaufsucht-Gefährdete kennzeichnet, sieht man erst in der übersteigerten Hirnaktivität. Das ist ein Grund mehr, warum man Kaufsucht als Krankheit definieren sollte”, so der Forscher. Wie sehr die festgestellte Reaktion sozialisiert sei oder auf genetische oder epigenetische Strukturen zurückgehe, sei bisher noch nicht nachweisbar.

Einen Schlussstrich setzen die Forscher damit unter die Annahme, dass Kaufsucht ein Frauenproblem ist. “Männer sind ebenso gefährdet, nur reagieren sie auf andere Artikel und mit anderen Emotionen”, betont Kenning. Kaufsucht-gefährdete Männer reagieren stark auf Marken, vor allem bei Textilien, Uhren, technischen Accessoires und Gadgets, Sportartikel, Wein, Schuhen und Autos. “Manche haben einen Fuhrpark von 70 Autos, obwohl sie immer nur eines fahren können. Auch hier ist übersteigertes Belohnung im Spiel”, so der Forscher.

Warum Frauen bisher weit häufiger mit Kaufsucht in Verbindung gebracht wurden, erklärt Kenning dadurch, dass sie meist die Haushalte führen und häufiger einkaufen, weshalb auch die Werbung überwiegend auf sie zugeschnitten sei. Mit den Studiendesigns argumentiert hingegen Lucia Reisch von der Copenhagen Business School http://cbs.dk. “Meistens geht man qualitativ und mit geringen Stichproben vor. Frauen sind therapiewilliger, selbstkritischer und melden sich eher für solche Studien”, so die Expertin zu pressetext. Zudem seien auch die Fragen in den Kaufsucht-Skalen eher auf Frauen ausgerichtet.

Emotion der Marke wird zum Problem

Kaufsucht ist für Marketing ein Thema, da es sich heute zunehmend auf den Aufbau einer Beziehung statt auf die Transaktion konzentriert, erklärt Kenning die Hintergründe. “Zu erforschen ist, wie diese Beziehung nachhaltig gestaltet werden kann. Wir brauchen Handlungsempfehlungen und eine Klärung, ob wir langfristig Marken derart emotional aufladen dürfen, dass Menschen davon süchtig werden. Einerseits müssen die Unternehmen vor derart negativen Folgen geschützt werden, andererseits aber natürlich auch die Konsumenten”, so der Marketing-Experte. (Ende)

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