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Archive für 12.7.2010

Borderline betrifft sechs Prozent der Jugend

Erster Weltkongress zur bekanntesten Persönlichkeitsstörung

Berlin - Einer von 16 Jugendlichen leidet an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS). Zum ersten Mal widmet sich ab heute, Donnerstag, in Berlin ein Weltkongress http://www.borderline-congress.org dieser Krankheit und bespricht ihre Ursachen und Therapien. “Die BPS als Krankheit ist erst vor zehn Jahren in der Wissenschaft angekommen. Dass sich ein Weltkongress ausschließlich mit dem Thema beschäftigt, ist jedoch überfällig”, betont Frank Schneider, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde http://www.dgppn.de, im Interview.

Borderline ist eine schwere psychische Störung, die in der Jugendzeit beginnt. Sechs Prozent aller 15-Jährigen verletzten sich selbst, denken an Selbstmord oder beruhigen sich mit Drogen. Professionelle Hilfe suchen die wenigsten und bei vielen entsteht in Folge das Vollbild der Störung mit intensiven Gefühlsschwankungen, schweren Störungen des Selbstwerts und Hass gegen sich und den eigenen Körper. Das Eingehen von Beziehungen wie auch das Alleinesein fällt sehr schwer. Viele verletzen sich wiederholt selbst, versuchen den Selbstmord, nehmen Drogen oder entwickeln Essstörungen.

Nicht immer Folge traumatischer Kindheit
Der Rückstand im Wissen über BPS hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gebessert. Man vermutet heute, dass bei einem großen Teil der Betroffenen schwerer sexueller Missbrauch oder schwere Vernachlässigung in der Kindheit die Hauptursachen sind. Entsprechend zeigen auch veränderte Gehirnstrukturen Spuren früher Gewalterfahrung. Allerdings haben über 40 Prozent der Patienten keine derartigen Erfahrungen hinter sich, was auf ein Mitspielen der Genetik deutet. “Wie die Neurobiologie des Patienten und sein Erleben genau zusammenwirken, muss erst erforscht werden”, erklärt Schneider.

Heute weiß man auch besser, was bei BPS vor sich geht. Gestört ist die Regulation der Emotionen, wodurch Betroffene alle Gefühle intensiver, stürmischer und anhaltender erleben als gesunde Menschen. Teilweise sind die Emotionen so stark, dass das Körpergefühl völlig verschwindet, die Realität nicht mehr wahrgenommen wird und die Welt als Nebel erscheint. Die Selbstschädigung soll hier eine kurzfristige Beruhigung herbeizuführen, während jedoch die Mitteilung des Leidens nach Außen extrem schwer fällt.

Verhaltenstherapie zeigt Erfolg

Ein Schwerpunkt für die Zukunft wird das Verhalten der Patienten und die Therapie bleiben. “Man muss weiter erforschen, welche Therapieformen in Frage kommen. Bisher sind die psychotherapeutischen Zugänge am vielversprechendsten”, so Schneider. Als erste störungsspezifische Verhaltenstherapie hat sich die dialektisch-behaviorale Therapie etabliert und konnte sich auch in Studien als wirksam erweisen. Die stationäre Versorgung von BPS spezialisiert sich zunehmend an den Fachkliniken, arge Rückstände gibt es hingegen noch in der ambulanten Behandlung. (Ende)
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Formel 1 hängt sich grünes Mäntelchen um

Emissionsverringerung von 15 Prozent in drei Jahren

London - Die nicht gerade als umweltfreundlich bekannte Formel 1 will in Zukunft ihre Emissionen deutlich verringern. Die Formula-One-Teams-Association (FOTA) http://www.teamsassociation.org hat eine Analyse vorgelegt, wie bis 2012 die CO2-Emissionen um rund 15 Prozent verringert werden können. Nach Angaben der FOTA wird die Formel 1 die erste Sportart mit einem ausgedehnten und von außen überprüften Emissionsreduktionsprogramm sein.

Die Prüfung der Emissionen wurde von der FOTA an das britische Consulting-Unternehmen Trucost http://www.trucost.com abgegeben. “Wir sind in der Lage gewesen, die gesamten Emissionen, von der Logistik bis hin zu den Motoren zu berechnen”, erklärt Richard Mattison, Trucost-CEO im Interview. “Beim Rennen selbst fallen nur etwa 0,3 Prozent aller Emissionen an”, so Mattison. Aufgrund der guten Datenlage war es möglich, die Analysen zu machen und zu sehen, wo man am meisten einsparen kann.

Emissionen vor allem abseits des Rennens

“Die Emissionen aus den Fahrzeugen während der Rennen und während der Tests sind für weniger als ein Prozent der Emissionen der ganzen Formel 1 verantwortlich”, bestätigt Mattison. Der durchschnittliche Verbrauch eines Formel 1-Motors beträgt rund 60 Liter pro 100 Kilometer. Die Hälfte der Emissionen sind Ausrüstungsgegenständen zuzurechnen, die von den Teams eingekauft werden.

“Einsparungspotenzial liegt etwa bei der Verringerung der Tests im Windkanal, aber auch bei den Motoren selbst”, betont Mattison. Von einer Verdoppelung der Energieeffizienz würde auch die Autoindustrie profitieren, zeigt sich Mattison überzeugt. “Denn das führt in weiterer Folge zu verbesserten Motoren in herkömmlichen Fahrzeugen.” Mattison ist vom Einsparungspotenzial positiv überrascht. “Es gibt nicht viele Unternehmen, die innerhalb von drei Jahren mehr als zwölf Prozent Emissionen einsparen können.” Emissionsrückgänge habe es bereits im Vorjahr gegeben.

Materialschlacht mit hohem Energieverbrauch

Sparsam war die Formel-1 noch nie. Der Einsatz an technischem Equipment, der Transport der Boliden, die als Luft- und Seefracht von einem Rennen zum anderen gebracht werden sowie der ständig mit dem Team reisende Tross der Techniker und Betreuer sorgen nicht gerade für einen kleinen ökologischen Fußabdruck. Auch das Testen der Fahrzeuge unter verschiedenen Bedingungen verschlingt große Mengen an Energie.

Der Energiespargedanke in der Formel 1 kommt rechtzeitig, denn auch seitens der Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) - dem internationalen Dachverband des Automobils -wird es von 2013 an einige gravierende Änderungen im Rennsport geben. Durch eine Beschränkung der Treibstoffmenge in den Autos werden die Motoren kleiner werden. Experten sprechen von Vier-Zylinder-Motoren oder V-6-Zylinder Maschinen mit einem Hubraum von 1,5-Liter. Derzeitige Formel-1-Boliden haben V8- Motoren mit einem Hubraum von rund 2,4 Liter.

Einige Experten gehen davon aus, dass die treibenden Kräfte hinter diesem Veränderungen bei den Sponsoren liegen, die wiederum mit “grüneren” Produkten punkten wollen. Ökologen kritisieren die Maßnahmen allerdings als “Grünwäsche”. (Ende)

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