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Archive für 13.7.2010

Facebook, “Wer-kennt-wen”, Netlog & Co. schützen nicht vor Einsamkeit

Oberflächlichkeit als Falle für Menschen mit Kontaktschwierigkeiten

Tucson/Wien - Social Networks helfen nicht dabei, enge Freundschaften zu schließen. Im Gegenteil, sie können Menschen in Einsamkeit, Schlaflosigkeit oder Stress treiben, sagen Forscher der University of Arizona http://www.arizona.edu. Schuld daran sei die häufig zu beobachtende Oberflächlichkeit des Kontakts mit der Vielzahl an gesammelten “Freunden”. Diese rufe bei manchen Menschen Distanzgefühlen hervor, ermittelten die Forscher in einer Studie.

Abgewertete Freundschaft

Dass Facebook und Twitter den Begriff der Freundschaft verändert haben, sieht auch der Wiener Psychotherapeut Raphael Bonelli http://www.bonelli.info . “War sie ursprünglich ein ‘dem anderen Gutes wollen’, so bedeutet sie im Internet oft, dass man andere über die aktuelle Befindlichkeit informiert, Nachrichten eines anderen abonniert und Teilnahme zeigt.” Seien Social-Networks-Kontakte Freundschaften, so höchstens deren oberflächlichste Form. Die weit verbreitete Mitteilung von Belanglosem senke zudem die Aufmerksamkeit erheblich.

Im Widerspruch dazu steht freilich die durchschlagende Beliebtheit der Netzwerke. Für Bonelli ist diese ein Zeichen der Sehnsucht vieler, wahrgenommen zu werden, sowie auch des Narzissmus. “Jeder will gerne viele Freunde haben und sich anderen mitteilen.” Gerade das Freundschaft-Schließen per Mausklick könne aber zum Problem werden, sobald die Jagd nach möglichst vielen Kontakten Überhand nimmt. “Technisch ist es möglich, 500 oder mehr Facebook-Freunde zu besitzen. Über eine gute soziale Vernetzung sagt das aber wenig aus.”

Gelingen des realen Lebens wichtig
Grundsätzlich sind soziale Netzwerke neutral zu bewerten, betont der Experte. “Sie helfen, einen bestehenden Kontakt aufrecht zu erhalten. Wer eine Freundschaft über Facebook schließt, bleibt aber oft auf dieser Ebene, ohne jemals in realen Kontakt zu treten.” Speziell Menschen mit Sozialphobien können oft nur anonym über Facebook kommunizieren, während es außerhalb nicht klappt. “Wer sonst ein gelungenes Leben führt, wird auch mit dem Internet gut zurecht kommen. Wird das Medium als Kriterium für gelungenes Leben, gibt es ein Problem.”

Um die Vorteile der sozialen Netzwerke bestmöglich zu nutzen, rät der Psychotherapeut, sie mit Maß einzusetzen. “Zielführend ist sicher die Überlegung, wofür man sie nutzen will und was das Ziel ist. Online-Medien taugen nur sehr bedingt dazu, gemeinsam ein Bier zu trinken.”

Einsamkeit beruht auf Wahrnehmung

Die US-Studie liefert einen Hinweis dafür, warum manche Menschen trotz vieler Kontakte einsam sind. “Einsamkeit beruht auf sehr subjektiver Wahrnehmung. Die gleiche Situation kann von einsamen Menschen als Problem wahrgenommen werden, von anderen jedoch nicht”, berichten die Forscher in der Zeitschrift “Health Communications”. Einsamkeit ist laut ihrer Definition der Unterschied zwischen dem Niveau an Sozialkontakten, das ein Mensch erreicht hat und dem, das er ersehnt.

Single im Sommer: Zeit zur Selbstfindung nutzen

Expertin: Langsamkeit als Qualitätszeit kommt viel zu kurz

Wien - Für viele Singles bedeutet die Ferienzeit im Sommer die Erinnerung an das Alleinsein. Doch das Alleinsein kann auch als Chance gesehen werden, wie Psychotherapeutin Sabine Fischer http://www.fischer-psychotherapie.at im ZARO-Interview betont. “Zweifelsohne ist der Mensch ein soziales Lebewesen, das zwischenmenschliche Beziehungen braucht. Doch man sollte die Zeit ohne Partner dazu nutzen, herauszufinden wer man ist, was einem wichtig ist, wohin man im Leben will und was einem geprägt hat”, so Fischer.

“In der heutigen Zeit wird alles unter immensen Zeitdruck gebracht. Jeder, der sich einsam fühlt, wird praktisch dazu gedrängt, sich möglichst schnell wieder zu binden, denn Single zu sein gehört nicht zu einem gelungenem Leben”, meint die Paartherapeutin. “Doch allein leben zu können, bringt Unabhängigkeit und man kann daher jeden Tag sagen ‘Ich kann mich frei entscheiden, meinen Partner zu wählen’.”

Alleinsein als positive Ressource

Auf dem Weg Erfüllung zu finden, ist ein wichtiger Schritt die eigene Persönlichkeit kennenzulernen und auf die Reise in sich selbst gehen. “Ebenso ist Geduld nötig, denn ein heute gesetzter Baum trägt nicht sofort Früchte”, erklärt die Therapeutin. In einer schnelllebigen Zeit wie heute, ist alles nur auf möglichst rasche Erfüllung der Bedürfnisse abgestimmt. Verliebtheit passt da gut dazu. “Echte tiefe Liebe braucht jedoch Zeit zum Wachsen. Zum Unterschied dazu, könne Verliebtheit innerhalb von Sekunden entstehen. “Was schnell entsteht, kann jedoch auch schnell verschwinden”, gibt Fischer zu Bedenken.

Damit eine neue Beziehung entstehen kann, hilft es auch darüber nachdenken, warum vorhergehende Beziehungen gescheitert sind und welchen Anteil man selbst daran getragen hat. “Die Aufarbeitung des bisherigen Lebens ist wichtig, um nicht in die gleichen Verwicklungs- und Beziehungsfallen zu tappen, die damals schon nicht funktioniert haben”, so Fischer.

Volle Hingabe erfordert Reife

“Echte Liebe beginnt in der Liebe zu sich selbst. Erfüllung ist nur dann möglich, wenn man bereit ist, sich für Neues zu öffnen”, erklärt Fischer. Man sollte auch hier damit rechnen, dass es möglicherweise Enttäuschungen gibt und dass man diese auch aushält. “Dabei ist es wichtig, von seinem Partner akzeptiert zu werden wie man ist. Umgekehrt nimmt man das, was geboten wird an und drängt nicht ständig.”

“Da der Partner ein Spiegel ist, werden einem oft die eigenen Seiten an sich gezeigt, die man so gar nicht sehen mag”, erklärt Fischer. “Eigentlich muss man dafür dankbar sein, denn gerade dort liegt das Weiterentwicklungspotenzial. Wenn man einmal erkannt hat, dass es nicht der andere ist, der schuld ist, dann steht die Beziehung auf stabilerem Grund.” Dann kann eine neue Phase beginnen.

Expertenrat kann nützlich sein

“Experten können helfen aufzuzeigen, wo die eigenen Anteile und wo es Anteile des Partners sind, die Konflikte verursachen. Man trifft sich nämlich immer mit den gleichen Grundkonflikten, weil einem diese unbewusst bekannt sind. Da die Psyche auf Weiterentwicklung ausgelegt ist, sucht man sich unbewusst den Partner, der einem am besten weiterbringt”, erklärt Fischer. Doch Weiterentwicklung brauche Zeit. “Zeiten allein zu verbringen, macht es möglich sich selbst zu finden und besser nachzudenken, wo man selbst und wo der andere steht.”

“Oft zeigen erst Krisen die tiefen Seiten der Persönlichkeit und bringen durch gemeinsam Erlebtes eine bessere langanhaltende Basis, die nicht so leicht erschüttert werden kann”, erklärt die Paartherapeutin. “Wer an sich selbst arbeitet, kann eine Entscheidung aus vollem Herzen treffen und so seinen Seelenpartner treffen.” (Ende)
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Angst-Expertin berichtet: www.angstfreisein.de

Biolandbau: Artenvielfalt ersetzt Insektizide

Erhalt des Lebensraums als Grundansatz

Washington DC/Wien - Forscher der Washington State University und der University of Georgia haben festgestellt, dass ökologischer Landbau die Artenvielfalt von natürlichen Nutztieren erhöht. In Kartoffelfeldern hatte das den Effekt, dass es weniger Insektenfraß und zudem größere Kartoffel gab. Die Studie wurde vom National Institute of Food and Agriculture (NIFA) http://www.csrees.usda.gov durchgeführt und im Fachmagazin Nature veröffentlicht.

“Es war bis jetzt immer ein Rätsel, wie Ökobauern hohe Erträge ohne synthetische Insektizide erzielen konnten”, meint Studien-Koautor Bill Snyder, Professor für Entomologie an der Washington State University http://www.wsu.edu. “Unsere Studie kommt zum Schluss, dass der Erhalt der Artenvielfalt ein Schlüssel zum Erfolg ist.” Ökosysteme mit einer größeren Anzahl von Arten halten die Schädlinge fern bzw. sorgen dafür, dass sie nicht überhand nehmen.

Anderes Denkschema im Biolandbau

“Der Grundansatz des Ökolandbaus ist der Erhalt der Vielfalt der Lebensräume”, so Reinhard Geßl, vom Forschungsinstitut für ökologischen Landbau (FIBL) http://www.fibl.org im Interview. Das bedeutet, dass man so schonend vorgeht wie nur möglich. “Mit der Schaffung eines möglichst stabilen ökologischen Gleichgewichts werden Schädlinge von Nützlingen unter Kontrolle gehalten.”

Der Ansatz im Ökolandbau sei völlig anders, denn hier stellt sich der Bauer nicht die Frage “Wie bekomme ich den Schädling weg”, sondern “Warum ist der Schädling da”. Eine gewisse Anzahl von Schädlingen in einem Feld sei nicht problematisch. Feldversuche haben beispielsweise gezeigt, dass Kartoffelkäfer im Biolandbau nicht über Hand nehmen. Aus welchem Grund die Kartoffel größer wachsen, sei nicht ganz klar, meint der Experte.

Nützlinge als gute Schädlingsbekämpfer

Auch die US-Studie kommt zum Schluss, dass Ökosysteme mit einer höheren Anzahl verschiedener Lebewesen die gesündesten sind. Die Verwendung von Insektiziden verringert die Biodiversität, weil sie die Vielzahl der Spezies verändert und dadurch zu einer Ungleichgewichtung führt. In der konventionellen Landwirtschaft fallen auch Nützlinge den Insektiziden zum Opfer. Versuche haben gezeigt, dass Nützlinge die besseren Schädlingsvertilger waren.
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www.zaronews.com

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