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Archive für Dezember 2011

Fukushima: Sargnagel für Atomstrom

Kein Argument mehr für zivile Nutzung von Kernenergie

Hamburg - Fukushima war einer der letzten Sargnägel für die zivile Nutzung der Atomenergie. Zu dieser Einschätzung kommt Stefan Schurig, Programmdirektor für Klima und Energie beim Weltzukunftsrat http://worldfuturecouncil.org , im Presse-Interview. “Der bereits bestehende Zweifel an der Sicherheit der Kernenergie hat sich bestätigt und wird deshalb um so mehr fortbestehen. Es ist eine Frage der Zeit, wann die Atomenergie-Kiste endlich geschlossen wird”, so der Experte.

Sicherheitsglaube geplatzt

Neun Monate ist es her, seit der Tsunami die Explosion der Reaktoren 1, 2 und 3 im japanischen AKW Fukushima-Daiichi ausgelöst und somit zum Super-GAU geführt hat. Noch immer ist die Situation außer Kontrolle: Auslaufendes radioaktives Wasser, verseuchter Müll oder überschrittene Lebensmittel-Grenzwerte sind weiterhin ein Problem. Der Osten und Nordosten Japans ist mit radioaktivem Cäsium 137 belastet, während die Region um den Unglücksmeiler wohl für immer unbewohnbar bleibt. Rund 34 Mrd. Euro an Entschädigung wurden im laufenden Jahr von der Betreiberfirma Tepco eingefordert.

Die psychologische Wirkung Fukushimas auf den weltweiten Energiemarkt ist laut Schurig stärker gewesen als die Ölkatastrophe der Deepwater Horizon im Jahr davor. “Selbst bei Atomkraft-Befürwortern hat Fukushima einen enormen Eindruck hinterlassen. Denn führte man das Tschernobyl-Unglück oft auf die vermeintlich unsichere Führung in der Sowjetunion zurück, ist nun auch der Glaube an die ’sichere’ Atomenergie in einem hochindustrialisiertem Staat endgültig geplatzt.”

Atomstrom teurer als Erneuerbare

Dabei sei die Atomkatastrophe für diese Erkenntnis gar nicht nötig gewesen. “Atomenergie ist gefährlich, scheitert langfristig an den immer knapperen Uranreserven und liefert keine Lösung für das Entsorgungsproblem. Doch auch der Kostenaspekt spricht klar gegen Atomstrom. Strom aus erneuerbaren Energien ist bereits deutlich billiger und die Schere wird künftig noch weiter auseinander klaffen.” Wie teuer neue AKWs sind, zeige jenes im finnischen Olkilouto vor, wo der aktuelle Bau eines dritten Reaktorblocks statt geplanten drei Mrd. Euro derzeit bereits 6,6 Mrd. Euro kostet und enorme Verzögerungen auftraten.

Wenn Staaten heute neu in die Atomkraft einsteigen, geschieht dies deshalb weniger aus energiepolitischen Motiven, sondern sondern aus rein geopolitischem Kalkül, betont Schurig. “Manche Länder spekulieren weiterhin darauf, als Atommacht ernster genommen zu werden, da zivile Atomenergienutzung stets auch die Möglichkeit einer Atomwaffen-Herstellung bedeutet. Dass dies noch immer gilt, zeigt der Iran vor, jedoch auch die Atompläne der Vereinigten Arabischen Emirate, die durch ein Überangebot von wesentlich günstigerer Sonnenenergie mit Sicherheit keine Atomkraftwerke zur Energieerzeugung bräuchten.”

Deutschland ist Vorreiter

Dabei wird das Potenzial der Atomkraft laut dem Energieexperten stark überschätzt: Die weltweit 210 AKWs mit ihren 442 Reaktorblöcken decken derzeit nur drei Prozent des Bedarfs an Primärenergie, während der Beitrag der erneuerbaren Energien knapp 20 Prozent beträgt. Deutschland hat sich hier als Vorreiter profiliert - einerseits mit der Rückkehr zum ursprünglichen Plan, 2022 alle Atomkraftwerke abzuschalten, andererseits durch den Boom der erneuerbaren Energien.

“Seit 2000 stieg der Anteil der erneuerbaren Energien in Deutschland von drei auf 18 Prozent. Viele internationale Energieexperten schauen deshalb mit großem Respekt und Interesse nach Europa, um die Transformation des Energiesektors auch anderswo anzukurbeln”, berichtet Schurig. (Ende)

Nanobodies: Geheimwaffe gegen Alzheimer und Co

Kleinste Antikörperfragmente können Proteinfunktionen gezielt steuern

Basel - Forscher der Universität Basel http://unibas.ch können mit Nanobodies Proteinfunktionen im Körper steuern. Die Ergebnisse eröffnen neue Möglichkeiten zur Behandlung schwerer Krankheiten: “Mit der Methode könnten all jene Krankheiten behandelt werden, die durch aberrante, aktive Proteine verursacht werden - da gehört etwa Alzheimer dazu”, sagt Markus Affolter Studienleiter vom Biozentrum der Universität Basel http://www.biozentrum.unibas.ch gegenüber uns.

Vielfältiger Einsatz

Kleinste Antikörperfragmente, die Nanobodies, lassen sich in der Forschung erfolgversprechend einsetzen. Gewonnen werden Nanobodies aus Antikörperfragmenten von Kamelen. Affolter und seinem Team ist es gelungen, einen Nanobody, der gegen Green Fluorecent Protein gerichtet ist, so zu funktionalisieren, dass er erfolgreich in der Grundlagenforschungsarbeit eingesetzt werden kann.

“Gewisse Nanobodies sind jetzt schon in der klinischen Forschung. Diese Nanobodies sind aber gegen Proteine gerichtet, die an der Zelloberfläche sind. Das heißt, sie können auch durch klassische Antikörper angegriffen werden. Nanobodies können aber auch intrazellulare Proteine, die an Kranheiten beteiligt sind, angreifen. So etwas ist neu und braucht noch viele Jahre”, sagt Affolter.

Nanobodies müssen es schaffen in die Zelle einzudringen. “Wir haben jetzt gezeigt, dass es geht. Aber wir bringen unsere Nanobodies ja in die Zelle, indem wir die Zelle den Nanobody selbst machen lassen”, sagt der Forschungsleiter. Als Therapeuticum müsste man den Nanobody ins Blut geben, und die kranken Zellen müssten ihn dann erst aufnehmen.

Bislang kaum beachtet

Zumindest konnten die Forscher dank der Eigenschaft der Nanobodies, GFP Fusionsproteine abzubauen, den Einfluss auf die Proteinfunktion im lebenden Organismus verfolgen. Als Modell zur Untersuchung ihrer Methode diente die Fruchtfliege Drosophila. Die Forschungsergebnisse sind insofern von Bedeutung, als sich zukünftig mithilfe von Nanobodies Proteinfunktionen im lebenden Organismus schneller und gezielter untersuchen und steuern lassen als mit herkömmlichen Methoden.

Proteine im Zellinneren künstlich durch Antikörper zu inaktivieren, ist normalerweise nicht möglich. Denn Antikörper bestehen aus einer Kette von tausend Aminosäuren. Sie können in Zellen weder eintreten noch darin funktionieren. Nanobodies haben lediglich eine Größe von rund 100 Aminosäuren. Diese stark reduzierte Größe und ihre Eigenschaft, sich im Zellinneren zu funktionsfähigen Proteinen zu falten, machen Nanobodies für die Grundlagenforschung so interessant.

Obwohl sie sich ebenso wie Antikörper zur Blockierung von Proteinfunktionen einsetzen lassen, fanden Nanobodies bislang kaum Beachtung. Durch ein genetisch gesteuertes Verfahren hat Emmanuel Caussinus aus Affolters Forschungsgruppe nun eine Methode entwickelt, mit deren Hilfe sich Nanobodies an andere Funktionen koppeln lassen. Diese Methode erlaubt es, Proteine in lebendigen Lebewesen durch die künstlich hergestellten GFP-Nanobodies gezielt zu steuern und zu regulieren. (Ende)

ADHS-Medikamente keine Gefahr für Herz

Forscher geben Entwarnung bei Behandlung von Erwachsenen

Oakland - Standard-Medikamente für die psychiatrische Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sagte man bisher eine ungünstige Wirkung auf das Herz nach. Zu Unrecht, kommen US-Forscher nun im “Journal of the American Medical Association” zum Schluss. Wie sie durch umfangreiche Datenanalysen zeigen konnten, bleibt bei der Einnahme das Risiko für Herzinfarkt, Herzversagen oder Schlaganfall annähernd gleich.

Keine Belastung für das Herz

Drei der in den USA gängigen psychiatrischen Mittel der Behandlung - Ritalin, Adderall und Strattera - haben die Forscher um Laurel Habel von Kaiser Permanente http://healthy.kaiserpermanente.org nun auf Nebenwirkungen untersucht. Dazu wurden Gesundheitsdaten zu 150.000 Menschen, die diese Medikamente einnehmen, mit jenen zu 290.000 Nicht-Einnehmern verglichen. Das Risiko in allen drei kardiovaskulären Erkrankungen war insgesamt als auch in der Einzelauswertung der drei Medikamente nicht höher.

In einer weiteren Erhebung zeigte sich auch, dass Medikamenten-einnehmende Patienten kein höheres Herzrisiko haben als jene, die schon über ein Jahr keine ADHS-Medikation mehr erhalten. Gleiches gilt für Menschen, die schon zuvor durch Herzkrankheiten oder pyschiatrische Probleme vorbelastet waren. Die Ergebnisse decken sich mit einer Forschung, die im November im “New England Journal of Medicine” erschienen ist. Demnach gibt es auch bei Kindern und jungen Erwachsenen keine erhöhten Herzprobleme durch Ritalin & Co.

Übersehene Krankheit

ADHS ist entgegen häufiger Auffassung auch bei Erwachsenen weit verbreitet. Bei rund 60 Prozent der betroffenen Jugendlichen bleibt die Störung auch im späteren Alter bestehen. Statt Impulsivität und Überaktivität zeigt sie sich dann allerdings häufig in einer allgemeinen Leistungs- und Konzentrationsschwäche, im Gefühl der Ruhelosigkeit und im Verfehlen privater und beruflicher Ziele, worunter viele auch in sozialer Hinsicht leiden. (Ende)

Erwachsenen-Gehirn lernfähiger als vermutet

Hoffnung auf bessere Schlaganfall-Rehabilitation durch Neurofeedback

Boston/Münster - Die primäre Sehrinde im Gehirn ist auch im Erwachsenenalter noch plastisch genug, um die visuelle Wahrnehmung weiterzuentwickeln. Das berichten japanische und US-amerikanische Forscher in der Zeitschrift “Science”. “Schon früher wurde gezeigt, dass Verbesserungen der visuellen Leistung und Veränderungen im frühen visuellen Kortex zusammenhängen. Dass bei diesem visuelles perzeptuelles Lernen noch möglich ist, konnte aber erst jetzt gezeigt werden”, erklärt Studienleiter Takeo Watanabe von der Boston University http://www.bu.edu .

Tomograf als Lehrer

Zum Nachweis der Plastizität erhoben die Forscher bei einer geschulten Person die Muster der Gehirnaktivität, die der visuelle Kortex beim Anblick eines bestimmten Bildes entstehen lässt. Dasselbe wiederholte man bei einer zweiten Person und berechnete in Folge die Unterschiede der beiden Aktivitätsmuster. Schließlich aktivierte man bei der zweiten Person die entsprechende Gehirnregion mittels dem sogenannten dekodierten Neurofeedback durch funktionelle Magnetresonanz-Tomografie - und zwar wiederholt über mehrere Tage, bis sich das Aktivitätsmuster von alleine bildete.

Gehirn reparieren

Die Forscher konnten bestätigen, dass sich die visuelle Wahrnehmung bei der zweiten Person tatsächlich verbesserte. Dieses Lernen erfolgte unbewusst, denn man hatte ihr nicht mitgeteilt, worin genau der Lernprozess bestand. “Besonders für die Rehabilitation nach einem Schlaganfall ist das eine wichtige Botschaft. Fehlende und gestörte Funktionen könnten durch dieses Training wieder hergestellt werden”, urteilt der Arzt und Gehirnforscher Thomas Grüter http://thomasgrueter.de auf pressetext-Anfrage.

Unbewusstes Sprachenlernen

In einem Ausblick für die Zukunft glauben die Studienautoren an Potenziale dieser Feedback-Methode, die weit über den beschriebenen Vorgang hinausreichen. So könnte es eines Tages möglich sein, dass eine Person einen Bildschirm beobachtet und gleichzeitig die Muster der Gehirnaktivität modifiziert, um dadurch seine körperliche oder mentale Leistung zu steigern. Die Erholung nach einem Unfall oder einer Krankheit könnte davon profitieren, doch sogar neuen Sprachen oder das Fliegen eines Flugzeuges könnte man auf diese Weise lernen

Link zur Studie: http://www.sciencemag.org/content/334/6061/1413.full
Video unter http://www.nsf.gov/news/news_videos.jsp?cntn_id=122523&media_id=71600
(Ende)

Bioenergie im Achental

Region in Oberbayern nimmt ihre energetische Zukunft selbst in die Hand

Grassau - Während der Klimagipfel im südafrikanischen Durban im Chaos zu scheitern drohte und sich die Delegierten erst in letzter Minute auf eine Kompromissformel einigten, arbeiten neun Gemeinden im Tal der Tiroler Achen/Oberbayern an ihrer Energieautarkie bis zum Jahr 2020.

In einem Tal zwischen dem oberbayerischen Chiemsee und dem Tiroler Kaisergebirge ist die weltweit diskutierte Energiewende seit Jahren in vollem Gange.

Bereits seit Mitte der neunziger Jahre bemühen sich die Gemeinden im Süden des Landkreises Traunstein um eine nachhaltige ökologische Entwicklung und Vermarktung ihrer Region hinsichtlich Tourismus, Landwirtschaft und Naturschutz. Das interkommunale Engagement der Bewohner des Tals der Tiroler Achen gipfelte im Jahr 1999 in der Gründung der Initiative “Ökomodell Achental e.V.”.

Ziel des Vereins ist die Sicherung der landwirtschaftlichen Betriebe und der Erhalt der Natur- und Kulturlandschaft bei gleichzeitiger Förderung des Gewerbes und des Tourismus - im Einklang mit der Natur und durch die effektive Nutzung der regionalen und regenerativen Energieressourcen.

Doch inzwischen haben sich die Bewohner des Tals in den Chiemgauer Bergen ein höheres Ziel gesetzt: Als Gewinner des im Jahr 2009 vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ausgelobten Wettbewerbes “Bioenergie-Regionen”, planen sie ihre energetische Unabhängigkeit bis zum Jahr 2020.

Ein Biomassehof als Treiber der Initiative

Zentrales Projekt in der Entwicklung des Achentals zur energieautarken Region ist der Biomassehof Achental in der Gemeinde Grassau. Im Herbst 2007 errichtet und getragen von den Gemeinden und von regionalen Investoren, sind der Hof und die Gesellschaft “Biomassehof Achental GmbH & Co. KG” organisatorischer Knotenpunkt und Motor für die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energieressourcen in der Region und damit für den Ausbau der bioenergetischen Wertschöpfungsketten.

Vor Ort werden nicht nur Holzhackschnitzel und Pellets aus Agrarabfällen für die regionale Versorgung und für das Fernwärmenetz in Grassau produziert. In Kooperation mit der Firma Agnion aus Pfaffenhofen a. d. Ilm wird derzeit an der Inbetriebnahme eines Holzvergasers gearbeitet. Dessen innovative Technik erlaubt es, aus Hackschnitzeln regionaler Reststoffe Strom zu erzeugen.

“Unser Engagement folgt dem Motto Bioenergie mit Augenmaß”, sagt Wolfgang Wimmer, Geschäftsführer der Biomassehof Achental GmbH & Co. KG. “Es ist uns ein ernsthaftes Anliegen, zur Energiewende und damit zum Klimaschutz einen maßgeblichen Beitrag zu leisten, nicht zuletzt als Antwort auf die Ergebnisse von Durban 2011.”

Weitere elf geplante oder bereits realisierte “Gipfelprojekte” bringen die Gemeinden des Achentals Schritt für Schritt weiter in der Realisierung ihres ehrgeizigen Ziels. Drei zusätzliche Initiativen sollen zur europaweiten Verbreitung der innovativen Ideen und zum internationalen Erfahrungsaustausch dienen. Zudem nimmt das Achental als einzige Region Deutschlands am Projekt “Klimaneutraler Alpenraum 2050″ der Alpenanrainerstaaten teil.

Österreichische Nachbarn ziehen mit

Das Engagement der fortschrittlichen Bewohner des Achentals hört an der deutsch-österreichischen Grenze nicht auf: Die Tiroler Gemeinden Kössen und Schwendt aus dem Leukental nehmen mit eigenen Gipfelprojekten wie dem einer dezentralen Biogasanlage zur Gülle-Verwertung an der Entwicklung in Richtung energetischer Autarkie teil.

So wird das Achental im Jahr 2020 hinsichtlich seiner Energiegewinnung, verbunden mit einer beachtlichen ökologischen und ökonomischen Wertschöpfung, in der Zukunft angekommen sein. Die internationale Staatengemeinschaft plant indes für das Jahr 2020 ein neues Klimaschutzabkommen und den Start des “Grünen Klimafonds” für Entwicklungsländer.

Über die Bioenergie-Region Achental
Die “Bioenergie-Region Achental” umfasst die Gemeinden Bergen, Grabenstätt, Grassau, Marquartstein, Übersee, Unterwössen, Schleching, Staudach-Egerndach und Reit im Winkl im Süden des Landkreises Traunstein in Oberbayern. Die Initiative verfolgt die nachhaltige ökonomische Entwicklung der Region unter Erhaltung der Natur- und Kulturlandschaft, der Sicherung landwirtschaftlicher Betriebe und regionaler Produktvermarktung, der Förderung eines naturverträglichen Gewerbes und Tourismus und der ausschließlichen Nutzung regional erzeugter erneuerbarer Energien. Gefördert wird die “Bioenergie-Region Achental” vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. und der Initiative “Bioregions” der EU. Weitere Informationen unter http://www.biomassehof-achental.de

Krebs: Zucker wird Zellen zum Verhängnis

“Selbstmord-Schalter” macht mit Freisetzung von Proteinen verwundbar

San Diego/ Fukuoka - Auch Krebszellen zahlen einen hohen Preis für ihre Vorliebe für Süßes. Wissenschaftler der University of California http://ucsd.edu und der Kyushu University http://kyushu-u.ac.jp haben Krebszellen, die Glukose aufnehmen, dazu gebracht, einen Zucker zu konsumieren, der für sie giftig ist. Dieser Zucker hinterlässt in den Zellen einen sogenannten “Selbstmord-Schalter”, der die Zellen für Angriffe verwundbar macht, schreiben die Wissenschaftler in Cancer Research http://cancerres.aacrjournals.org .

2-Deoxyglucose als Schlüssel

“Die meisten Krebszellen hängen bei der für das Wachstum notwendigen Energiegewinnung fast ausschließlich von Glukose ab”, betont Guy Perkins von der University of California. Gemeinsam mit seinem Kollegen Rudy Yamaguchi von der Kyushu University entdeckte der Forscher, dass die Zellen auch einen ähnlichen Zucker, nämlich 2-Deoxyglucose, aufnehmen. Dieser Zucker entfernt aber ein Protein in Inneren der Zelle, das einen Selbstmord-Schalter bewacht. Ist er einmal exponiert, kann der Schalter mit Hilfe des Medikaments ABT-263 aktiviert werden. Die betroffenen Zellen werden dann durch die Freisetzung von Proteinen dazu gebracht, sich selbst zu zerstören.

Dieser Ansatz könnte einem NewScientist-Bericht zufolge das Ende für verschiedene Arten von Krebs bedeuten. Dazu gehören Leber-, Lungen- und Brustkrebs sowie Krebserkrankungen des Blutes. Bei Mäusen ist es bereits gelungen, aggressive menschliche Prostatakrebstumore innerhalb von Tagen verschwinden zu lassen. Yamaguchi und Perkins hoffen jetzt, dass sie an der University of California eine klinische Studie zu diesen Forschungsansätzen durchführen können. (Ende)

Langschläfer genetisch vorprogrammiert

Menschen mit Gen ABCC9 brauchen deutlich mehr Schlaf

Edinburgh/München - Menschen, die gerne ausschlafen, können jetzt eine gute Entschuldigung dafür haben. Diese Vorliebe ist laut Wissenschaftlern der University of Edinburgh http://www.ed.ac.uk und der Ludwig-Maximilians-Universität München http://www.uni-muenchen.de zumindest teilweise genetisch bedingt. Das Team um Jim Wilson analysierte die Daten von mehr als 30.000 Menschen in ganz Europa. Es zeigte sich, dass jene die über das Gen ABCC9 verfügten, rund 30 Minuten mehr Schlaf pro Nacht brauchten. Einer von fünf Europäern trägt dieses Gen laut den in Molecular Psychiatry http://nature.com/mp veröffentlichten Studienergebnissen in sich.

Einstein schlief elf Stunden Robert Zach macht das auch …

Alle Teilnehmer lieferten Berichte darüber ab, wie lange sie geschlafen hatten und stellten eine Blutprobe für die DNA-Analyse zur Verfügung. Wie viel Schlaf ein Mensch braucht, kann sehr unterschiedlich sein. Margaret Thatcher kam mit vier Stunden pro Nacht aus, Albert Einstein brauchte elf. An der Studie nahmen Menschen von den Orkneyinseln, aus Kroatien, den Niederlanden, Italien, Estland und Deutschland teil. Alle wurden nach ihren Schlafgewohnheiten an ihren freien Tagen gefragt, also an Tagen, an denen sie nicht zu einer bestimmten Zeit aufstehen mussten, Schlaftabletten einnahmen oder Schichtdienst hatten.

In einem nächsten Schritt verglichen die Wissenschaftler diese Zahlen mit den Ergebnissen der genetischen Analyse. Es zeigte sich, dass Teilnehmer mit einer Variation des Gens ABCC9 mehr als die durchschnittlichen acht Stunden Schlaf brauchten. Fruchtfliegen verfügen ebenfalls zum Teil über dieses Gen. Fruchtfliegen, die es nicht haben, schliefen drei Stunden weniger als normal. ABCC9 spielt bei der Messung der Energiewerte in den Zellen eine wichtige Rolle. Die Wissenschaftler hoffen, dass damit ein neuer Ansatz für die Schlafforschung gefunden ist. Sie wollen jetzt herausfinden, wie genau diese Genvariante die Länge des benötigten Schlafes beeinflusst, berichtet die BBC. (Ende)

Totes Meer starb vor 120.000 Jahren

Erste Hinweise auf Austrocknung in früheren Wärmeperioden

Genf - Das Tote Meer verliert so viel Wasser, dass sein Spiegel jährlich um einen Meter sinkt. In der Vergangenheit war der tiefstliegende See der Welt jedoch bereits viel trockener als heute, hat ein internationales Forscherteam herausgefunden. “Erstmals konnte gezeigt werden, dass das Tote Meer in früheren Zeiten deutlich weniger Wasser führte oder sogar ausgetrocknet war”, erklärt Forschungsleiter Daniel Ariztegui von der Universität Genf http://unige.ch im Presse-Interview. Veröffentlicht wurden die ersten Ergebnisse im Fachblatt “Eos”.

Natürliche Trocknung

Außergewöhnlich ist das Tote Meer nicht nur aufgrund seiner Lage auf derzeit 422 Meter unter dem Nullpunkt, sondern auch wegen des rund 30-prozentigen Salzgehalts. Hauptgründe dieser Konzentration sind die Wasserentnahmen aus den Flüssen der Anrainerstaaten, die landwirtschaftliche Düngung sowie die Verdunstung, die von der künstlichen Salzgewinnung noch deutlich erhöht wird. “Sichtbar wurde nun jedoch, dass es in Warmzeiten auch einen natürlichen Rückgang gibt”, betont der Schweizer Geologe.

Die Forscher bohrten auf 235 Meter Seetiefe nahe der tiefsten Stelle des Toten Meeres und untersuchten die Sedimente. “Überraschend fanden wir Kieselsteine, die sonst nur an Ufern vorkommen, sowie große Salzzonen. Das deutet darauf, dass der Seespiegel früher auf diesem Niveau und womöglich noch darunter lag”, erklärt Ariztegui. Auch Gips, Aragonit, Schlamm und Kalk kam zutage. Die genaue Datierung diese Trockenperiode steht noch aus, die Forscher schätzen sie bisher jedoch auf 120.000 Jahre vor der Gegenwart.

Vorbote für Nahen Osten

“Das Tote Meer ist ein guter Sensor für die Globaltemperatur. In Eiszeiten war sein Wasserstand deutlich höher - vor 25.000 Jahren etwa 260 Meter über dem heutigen Niveau, womit es über das gesamte Jordantal bis hinauf zum See Genezareth reichte. In den Wärmeperioden dazwischen sank der Wasserspiegel jedoch deutlich”, so der Forscher. Wichtig sei diese Erkenntnis auch deshalb, da laut heutigen Klimamodellen mehreren Regionen des Nahen Ostens ein vergleichbares Schicksal der Austrocknung bevorsteht.
(Ende)

Schlaganfall: Zwei weitere Symptome identifiziert

Schwäche in den Beinen und Verlust des Sehvermögens entscheidend

Leicester - Wissenschaftler des University Hospitals of Leicester NHS Trust http://www.leicestershospitals.nhs.uk haben zwei weitere Symptome entdeckt, die auf einen Schlaganfall hinweisen. Schwäche in den Beinen und der Verlust des Sehvermögens sind zwei wichtige Indikatoren, auf die geachtet werden sollte. Eine neue Kampagne des National Health Service http://nhs.uk nennt halbseitige Lähmungen des Gesichts, die Fähigkeit beide Arme zu heben und Sprachstörungen als wichtige alarmierende Symptome.

Auf Hinweise sofort reagieren

Forscher Ross Naylor betont, dass man auf insgesamt fünf Symptome achten sollte. Die FAST-Kampagne http://nhs.uk/actfast des NHS sei sehr erfolgreich gewesen. Es sei aber wichtig zu wissen, dass eine Schwäche in den Beinen und der Verlust des Sehvermögens ebenfalls unbedingt beachtet werden sollten. “Ich befürchte, dass viele Menschen nicht wissen, dass eines oder beide dieser Anzeichen allein oder in Kombination mit den bereits bekannten, ein Hinweis darauf ist, dass jemand einen Schlaganfall erleidet und sofort Hilfe geholt werden muss.”

Simon Cook von der Stroke Association http://stroke.org.uk betont, dass der sogenannte FAST-Test mit seinen drei einfachen Punkten sehr nützlich ist, da viel zu viele Menschen nicht wissen, was ein Schlaganfall ist und wodurch er hervorgerufen wird. “Es gibt selbstverständlich auch andere Symptome wie verschwommenes Sehen und Beinschwäche. Wir gehen jedoch davon aus, dass es entscheidend ist, dass sich die Menschen daran erinnern und im Fall des Falles rasch handeln”, lässt sich der Experte von der BBC zitieren.

Naylor führte die aktuelle Studie als Teil eines zweijährigen Innovationspreises durch, der von der East Midlands Strategic Health Authority http://www.eastmidlands.nhs.uk finanziert wird. (Ende)

Gen bestimmt Schlafbedarf

Abschaltung macht Fruchtfliegen zu Kurzschläfern

München - Ein einzelnes Gen entscheidet wesentlich mit, ob ein Mensch viel oder wenig Schlaf braucht, um ausgeruht zu sein. Das berichten Forscher der LMU München http://www.imp.med.uni-muenchen.de in der Fachzeitschrift “Molecular Psychiatry”. “Das Gen, das wir gefunden haben, erklärt fünf Prozent oder 22 Minuten der Schlafdauer des Menschen, bei Fliegen sogar 50 Prozent”, erklärt Studienleiterin Karla Allebrandt im Presse-Interview.

Wecker im Erbgut

Die Forscher befragten 4.000 Menschen aus sieben Ländern Europas zu ihren Schlafgewohnheiten und verglichen die Ergebnisse mit Gentests. Dabei fanden sie bei jenen, die in störungsfreier Umgebung weniger Schlaf brauchen als andere, ein gemeinsames Merkmal: Die meisten von ihnen verfügten über zwei Kopien einer bestimmten Variante des Gens ABCC9, während die Langschläfer eine andere Version davon besaßen. Allebrandt betont allerdings, dass auch eine Reihe weiterer Gene an der Schlaufdauer-Regulierung bestimmt sind.

Das besagte Gen steuert das Protein SUR2, eine Untereinheit des Kaliumkanals, der wiederum ein wichtiger Sensor für den Energiestoffwechsel zwischen den Zellen ist. Bei bestimmten Stoffwechselerkrankungen - etwa Herzleiden oder Diabetes - spielt dieser Kanal eine wichtige Rolle. Ein Zusammenhang zwischen Schlafdauer und derartigen Störungen des Körpers könnte somit durch gemeinsam benutzte molekulare Mechanismen erklärt werden.

Hauptschalter vieler Arten

Ein genaueres Verständnis der Schlafmodulation bringt das gleich mehrere Vorteile, betont die Chronobiologin. “Wir sehen nun etwa, dass das mit dem Schlaf assoziierte Gen eine wichtige Rolle für den Stoffwechsel spielt. Metabolische Fehlfunktionen - die sich häufig in Adipositas oder Diabetes ausdrücken - hängen mit der Schlafdauer durchaus zusammen. Verstehen wir die Genmechanismen, die hinter der Schlafdauer stecken, sowie deren Verbindung zum Stoffwechsel, kann das zu neuen Therapieansätzen für wichtige Krankheiten führen.”

ABCC9 und seine Faktoren sind in der gesamten Tierwelt weit verbreitet. Bei Säugetieren ist es etwa im Herz, Skelettmuskel, Hirn und in der Bauchspeicheldrüse aktiv. Um die Folgen seiner Manipulation zu testen, blockierten die Münchner Chronobiologen das Gen bei Fruchtfliegen - und verkürzten damit den nächtlichen Schlaf der Tiere. “Das weist darauf hin, dass die genetische Schlafdauer-Kontrolle verschiedener Tierarten vielleicht auf den selben Mechanismen beruht”, so Allebrandt. (Ende)

NHS: Medikament für Patienten unter Verschluss

Kosten im Mittelpunkt - Lucentis verbessert Sehkraft bei Diabetes

London - Ein Medikament, dass das Sehvermögen von Menschen mit Diabetes erhalten könnte, wird in England und Wales durch das National Health Service http://nhs.uk nicht zugänglich gemacht. Das National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) http://nice.org.uk argumentiert diese Entscheidung damit, dass Ranibizumab, Handelsname Lucentis, zu teuer ist, um bei Patienten mit diabetischem Makulaödem eingesetzt zu werden. Wohltätigkeitsorganisationen werden sich weiterhin dafür einsetzen, dass das Medikament zugänglich gemacht wird, berichtet die BBC. Mindestens 50.000 Menschen in Großbritannien leiden an dieser Krankheit.

Deutlich unterschätzte Kosten

Die Sehfähigkeit kann so eingeschränkt sein, dass Betroffene nicht länger lesen, arbeiten oder ein Fahrzeug steuern können. Bis jetzt wurde die Behandlung mit dem Laser vom NHS standardmäßig eingesetzt. Damit kann allerding nur eine weitere Verringerung der Sehkraft verhindert werden. Eine Injektion mit Lucentis ins Auge kann die Sehfähigkeit jedoch verbessern. NICE empfiehlt den Einsatz des Medikaments bereits bei einer altersbedingten Makuladegeneration.

Diabetes UK, die Juvenile Diabetes Research Foundation, die Macular Disease Society und das Royal National Institute of Blind People fordern eine rasche Einigung der Regierung mit dem Hersteller Novartis. Ziel ist es, die Kosten für das NHS-Medikament zu senken. Derzeit kostet das Medikament pro Injektion 742.17 Pfund. Laut Novartis arbeitet das Unternehmen weite mit NICE und dem Gesundheitsministerium daran, dass betroffene Patienten das Medikament erhalten. Das Unternehmen geht davon aus, dass NICE vor dem Treffen dieser Entscheidung nicht optimal informiert war. Andrew Dillon, Vorstandsvorsitzender von NICE, argumentiert, dass der Hersteller die Kosten unterschätzt hat. (Ende)

Artensterben an Küsten bisher unterschätzt

Klimawandel-Migration für viele Spezies keine Option

Vancouver - Die Globalerwärmung beschleunigt das Aussterben vieler Arten - und zwar viel deutlicher als bisher angenommen wurde. Einen Beleg dafür haben Zoologen der University of British Columbia http://ubc.ca an den Küsten gefunden. Wie sie in der Zeitschrift “Science” berichten, können viele Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum infolge des Klimawandels nicht einfach verlegen. “Der Klimawandel verändert das Zusammenspiel vieler Arten und beeinflusst damit auch die Biodiversität”, erklärt Studienleiter Christopher Harley.

Seestern versus Krebse

Die Forscher spezialisierten sich auf Rankenfußkrebse und Muscheln an mehreren Küsten Westkanadas, die an der Übergangszone der Gezeiten leben. Das Meer ist hier durch Strömungen aus der Arktis kühl, erwärmte sich jedoch seit 1950 um 3,5 Grad. Viele der beobachteten Tierchen sind dadurch schon knapp an ihr oberstes Temperaturlimit gelangt und müssen ihren Lebensraum tiefer Richtung Meer legen - derzeit um einen halben Meter unter der Marke vor 60 Jahren, wie Studienvergleiche zeigen.

Zum Krimi macht die Situation jedoch der natürlichen Feind der beiden Tiere, der Seestern. Bisher siedelten sich die Krebse und Muscheln möglichst weit oben am Strand an, um ihrem Jäger nicht in die Quere zu kommen. Zwar hat sich das Seesternrevier in den vergangenen Jahrzehnten kaum verändert, konnten die Forscher beweisen. Mit der Klimawandel-Wanderung hin zum Meer wuchs jedoch die Gefahr enorm, erbeutet zu werden. “Die sichere Muschelzone schrumpfte somit um die Hälfte und viele Muscheln an den untersuchten Stellen sind sogar ausgestorben”, berichtet Harley.

Fragilität unterschätzt

Verhinderte man versuchsweise durch Schutzzäune das Eindringen von Seesternen, so wanderten die Krebse und Muscheln hingegen auch in wärmeren Zonen, wo sie üblicherweise nicht vorkommen. Der Artenreichtum verdoppelte sich dann sogar, da Muscheln auch kleinen Krustentiere, Schnecken, Würmern und Meeresalgen bei der Ansiedelung helfen. “Während man bisher annahm, dass die Globalerwärmung Tiere am Temperaturlimit einfach migrieren lässt, konnten wir das in unserem Kontext wiederlegen. Oft hat man auf das sensible Zusammenspiel vieler Faktoren wie etwa der Jagd vergessen”, so der kanadische Forscher. (Ende)

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