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Archive für 7.1.2012

Mythos über Fette aufgeklärt

Schwangerschaft: Verzehr guter Fette kein Garant für schlankes Kind

München - Wenn eine Schwangere Omega-3-Fettsäuren in Form von Fisch oder Fischölkapseln verzehrt, hat das keinen Einfluss auf das künftige Gewicht des menschlichen Nachwuchses. Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass sich Gewicht des Nachwuchses bereits im Mutterleib festgelegt. Die Lehrmeinung war: Die Aufnahme “schlechter” Fette in der Schwangerschaft erhöhe die Bildung kindlicher Fettzellen und dass “gute” Omega-3-Fettsäuren vor Übergewicht schützten. Eine Studie an der Technischen Universität München (TUM) http://portal.mytum.de konnte eine solche fötale Programmierung aber nicht bestätigen.

Keinen Unterschied in der Fettgewebsentwicklung

Eine Gruppe nahm während Schwangerschaft und Stillzeit gezielt mehr Omega-3-Fettsäuren zu sich. Eine andere Gruppe ernährte sich wie gewohnt. “Es gab keinen Unterschied in der Fettgewebsentwicklung der Kinder”, sagt Hans Hauner, Leiter des Else-Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin der TUM, gegenüber der Presse.

Im Alter von zwölf Monaten sind die Kinder, deren Mütter “gutes” Fett zu sich genommen haben, genauso rund oder schlank wie die Kinder der Kontrollgruppe. “Was wir nicht ausschließen können ist, dass erst nach dem ersten Lebensjahr ein Effekt zum Vorschein kommt. Wir gehen aber davon aus, dass die Hypothese falsch ist”, sagt Hauner. Die Forscher überprüfen die Kinder noch weitere vier Jahre. Die Hypothese, dass Omega-3-Fettsäuren positive Effekte auf die Fettgewebsentwicklung haben, kommt aus Tierexperimenten. Bei anderen Säugetieren wurde sie bestätigt. Allerdings habe man bei den Tierexperimenten große Mengen an Fischöl verabreicht, erklärt Hauner.

Daher galt eine erhöhte Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren in der mütterlichen Ernährung als vielversprechend für die Vorbeugung von Übergewicht und Adipositas. Fettleibigkeit im Kindesalter ist eine Ursache von Typ-2-Diabetes und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs. Ernährungsmediziner sind deshalb auf der Suche nach wirksamen Präventionsmaßnahmen. “Die Vorbeugung von Übergewicht und Adipositas sollte so früh wie möglich erfolgen”, betont der Wissenschaftler. Aber eine Prävention von kindlichem Übergewicht durch die Einnahme von Fischöl-Präparaten in der Schwangerschaft konnte in der Studie nicht nachgewiesen werden.

Kritisch hinterfragen

“Vieles, was Nahrungsergänzungsmittel versprechen, muss kritisch hinterfragt werden”, sagt Hauner. “Die Entwicklung im Mutterleib ist ein komplexer Prozess und lässt sich nicht auf einen einfachen Zusammenhang zwischen Nährstoffzufuhr und Fettgewebsentwicklung reduzieren. Zudem kommen zum Beispiel im Kindergarten und in der Schule weitere Umweltfaktoren hinzu, die sich auf das Körpergewicht auswirken”, ergänzt der Forscher. Die Kinder werden deshalb im Rahmen der Studie bis zu ihrem fünften Lebensjahr in regelmäßigen Abständen untersucht. Auch weitere Annahmen über die Wirkung von Omega-3-Fettsäuren sollen noch geprüft werden, beispielsweise der mögliche Schutz vor Asthma oder Neurodermitis. (Ende)

Armut beeinflusst Größe von Kindern

Sozialer Status der Eltern wirkt sich auf die Gesundheit aus

Tübingen - Der soziale Status der Eltern wirkt sich auf die Gesundheit und schließlich auch auf die Körpergröße von Kindern aus, wie die Forscher Jörg Baten von der Universität Tübingen http://www.uni-tuebingen.de und Andreas Böhm vom Landesgesundheitsamt Brandenburg http://www.lasv.brandenburg.de in einem Forschungsprojekt zeigen. Dass die Körpergröße ein Indikator für die Qualität der medizinischen Versorgung und Ernährung sein kann, ist bekannt. Betrachtet man die großen Hungersnöte und Versorgungsengpässe ausgelöst durch Kriege und Naturkatastrophen in den vergangenen Jahrhunderten, so ist zu beobachten, dass die davon betroffenen Menschen deutlich kleiner sind als Menschen aus Regionen, in denen eine normale Versorgung besteht.

Breite genetische Streuung

“In den Entwicklungsländern sind die Unterschiede von Körpergröße und sozialer Stellung gravierender - dass dieses Phänomen eine wohlhabende Gesellschaft betrifft, ist jedoch neu”, sagt Baten im Presse-Gespräch. Die Forscher zeigen, dass es keiner großen Kriege bedarf, dass Menschen unterversorgt sind und damit auch weniger wachsen als andere. Dabei ist zu beachten, dass diese Körpergröße als Indikator nur für Durchschnitte einer großen Anzahl von Körpergrößen gilt. Die geringe Körpergröße eines einzelnen Menschen sagt nichts über das Wohlergehen aus, weil es eine breite genetische Streuung gibt. “Auf der individuellen Ebene sagen die Ergebnisse nicht viel aus. Eltern mit kleinen Kindern sollen nicht beunruhigt sein”, betont Baten.

Untersucht wurde das Wachstum von Kindern aus dem Bundesland Brandenburg. Die Wissenschaftler ermittelten, inwiefern etwa Arbeitslosigkeit das Wachstum von Kindern in dem Zeitraum 1994 bis 2006 beeinflusst. Die Daten im Zuge der Einschulung von Erstklässlern erhoben. Dabei konnte die Körpergröße, das Alter und das Geschlecht von über 250.000 Kindern dokumentiert werden. Es wurden auch sozioökonomische Daten erfasst, wie der berufliche Status der Eltern, deren Ausbildungsniveau sowie die Anzahl der Kinder und Erwachsenen, die im Haushalt leben. Baten und Böhm konnten zeigen, dass die Arbeitslosigkeit der Eltern einen signifikant negativen Einfluss auf die Körpergröße ihrer Kinder hat.

Rolle der Abwanderungsrate

Dabei scheint ein geringeres Einkommen eine weniger bedeutende Rolle zu spielen als der psychologische Stress und die Frustration der Eltern durch ihre Arbeitslosigkeit. Diese Faktoren könnten zu einer Vernachlässigung der Kinder bezüglich ihrer Versorgung führen. Auch die Abwanderungsrate aus dem Bundesland wurde als Maß für die wirtschaftlichen Bedingungen eines bestimmten Gebiets gerechnet und steht in einem negativen Zusammenhang mit der Körpergröße der Kinder.

Die gebildetere Bevölkerungsschicht verlässt die Region wegen der schlechten wirtschaftlichen Bedingungen. Zurück bleiben die weniger Gebildeten. Da gerade Familien mit gebildeten Eltern in der Regel mehr Wert auf eine gesunde Ernährung und medizinische Versorgung der Kinder legen, entwickeln sich diese besser und werden größer.

Von besonderer Bedeutung scheint insbesondere das Ausbildungsniveau der Mutter zu sein. Die Autoren stellten auch fest, dass Kinder von Alleinerziehenden bezüglich ihrer Körpergröße keinen Nachteil gegenüber Kindern aus Familien mit zwei Elternteilen aufweisen. Allerdings zeigt sich ein positiver Einfluss auf die Größe der Kinder, sobald drei oder mehr Erwachsene im gleichen Haushalt leben - wenn also Großeltern vor Ort sind, die die Versorgung der Kinder mit unterstützen. Insgesamt wurde die Körpergröße von Kindern aus Brandenburg in dem Zeitraum 1994 bis 2006 negativ durch die hohe Arbeitslosigkeit der Eltern beeinflusst. (Ende)

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