Schweizer Ehepaar betrachtet nachdenklich Aussicht vom Wohnungsbalkon bei Immobilienbewertung

Herr Keller aus Winterthur rief mich letzten Monat an. Seine Mutter war verstorben, er hatte eine Eigentumswohnung geerbt – und das Steueramt verlangte plötzlich einen «offiziellen» Wert. Die kostenlose Online-Bewertung, die er gemacht hatte? Nicht akzeptiert. CHF 1’800 und drei Monate später hatte er endlich sein Gutachten. Das hätte nicht sein müssen.

Seien Sie ehrlich: Sie wollen wissen, ob Sie Geld sparen können. Ob dieses kostenlose Online-Tool für Ihre Situation reicht – oder ob Sie doch einen Experten brauchen. Die Antwort? Es kommt drauf an. Aber nach diesem Artikel wissen Sie genau, worauf.

Wichtiger Hinweis

Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information und stellt keine Finanz- oder Rechtsberatung dar. Für verbindliche Bewertungen bei Erbschaft, Scheidung oder Finanzierung konsultieren Sie einen zertifizierten Schätzer oder Notar.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Für Standardwohnungen und erste Orientierung reicht eine kostenlose Online-Bewertung fast immer
  • Bei Erbschaft, Scheidung oder Bankfinanzierung gelten besondere Anforderungen – prüfen Sie die kantonalen Regeln
  • Atypische Liegenschaften (Luxus, historisch, mit Mängeln) brauchen den Expertenblick vor Ort
  • Die Kombination aus Online-Tool und Vor-Ort-Beratung bietet die beste Absicherung

Kostenlos oder kostenpflichtig: Welche Bewertung passt zu Ihrer Situation?

Die Frage ist nicht, ob kostenlose Bewertungen «gut genug» sind. Die Frage ist: Wofür brauchen Sie den Wert? In meiner Beratungspraxis teile ich die Anwendungsfälle in drei Kategorien ein. Jede hat andere Spielregeln.

Welche Bewertung passt zu Ihrer Situation?

  • Sie wollen verkaufen und haben eine Standardwohnung/-haus:
    Kostenlose Online-Bewertung reicht für die erste Preisfindung. Ergänzen Sie mit einer Maklereinschätzung vor Ort.
  • Erbschaft oder Scheidung mit rechtlichen Anforderungen:
    Prüfen Sie die kantonalen Anforderungen – oft ist ein zertifiziertes Gutachten nötig.
  • Hypothekenantrag oder Refinanzierung:
    Ihre Bank macht eine eigene Bewertung. Nutzen Sie das Online-Tool zur Vorbereitung und Erwartungshaltung.
  • Reine Neugier oder langfristige Planung:
    Kostenlose Online-Bewertung völlig ausreichend. Kein Grund, Geld auszugeben.

Sie wollen verkaufen: Wann reicht kostenlos?

Bei einer typischen 4.5-Zimmer-Wohnung in Winterthur oder einer Doppelhaushälfte in Aarau? Da reicht eine kostenlose Bewertung für den Start völlig aus. Die hedonischen Modelle, die auch das Bundesamt für Statistik verwendet, vergleichen Ihr Objekt mit Tausenden ähnlicher Liegenschaften. Bei Standardobjekten funktioniert das erstaunlich gut.

Meine klare Empfehlung hier: Starten Sie kostenlos, aber lassen Sie sich zusätzlich von einem lokalen Experten vor Ort beraten. Diese Kombination kostet Sie nichts extra – und schützt vor bösen Überraschungen.

Eine erste Bewertung ist heute in wenigen Minuten möglich



Erbschaft oder Scheidung: Rechtliche Anforderungen

Hier wird es kompliziert – und teuer, wenn Sie falsch entscheiden. Der Fall von Herrn Keller aus meiner Einleitung ist kein Einzelfall. Bei Erbschaften verlangen viele kantonale Steuerämter eine offizielle Schätzung. Im Kanton Zürich etwa gemäss der Weisung der Finanzdirektion nach festgelegten Formeln für Verkehrswert und Ertragswert.

Bei Scheidungsverfahren? Noch heikler. Wenn sich die Parteien nicht einigen, kann das Gericht einen neutralen Schätzer verlangen. Eine Online-Bewertung hat hier keine Chance. Der häufigste Fehler, den ich beobachte: Eigentümer sparen am Anfang CHF 2’000 – und zahlen am Ende das Doppelte plus Verzögerung.

Finanzierung oder reine Neugier: Der einfache Fall

Wollen Sie einfach wissen, was Ihre Liegenschaft heute wert ist? Oder sich auf ein Bankgespräch vorbereiten? Dann reicht ein kostenloses Online-Tool. Punkt. Die Bank macht ohnehin ihre eigene Bewertung nach internen Kriterien – die FINMA hat klare Vorgaben für Tragbarkeit (33 Prozent des Bruttoeinkommens bei 5 Prozent kalkulatorischem Zins). Ihre Vorab-Recherche dient nur dazu, realistische Erwartungen zu haben.

Die Grenzen kostenloser Online-Bewertungen: Wann Sie mehr brauchen

Ich sage es ungern, weil es mein Geschäft tangiert: Kostenlose Online-Bewertungen haben echte Grenzen. Und wer diese ignoriert, riskiert Geld. In meiner Beratungspraxis in der Deutschschweiz beobachte ich regelmässig, dass Eigentümer bei besonderen Objektmerkmalen – etwa einer herausragenden Aussicht oder einem erheblichen Renovationsstau – allein auf Online-Bewertungen vertrauen. Die Abweichung zum späteren Verkaufspreis liegt in diesen Fällen häufig bei 8-15 Prozent. Diese Beobachtung ist nicht auf alle Regionen übertragbar.

Wann eine kostenlose Bewertung nicht ausreicht

Bei atypischen Liegenschaften versagen hedonische Modelle regelmässig. Luxusobjekte, historische Bauten, Liegenschaften mit Einliegerwohnung, Bauernhöfe oder Objekte mit erheblichem Renovationsbedarf – all diese lassen sich nicht sinnvoll mit «Durchschnittswohnungen» vergleichen.

Was mich in der Praxis immer wieder überrascht: Wie wenig Eigentümer über die Methodik wissen. Hedonische Bewertungen vergleichen statistische Merkmale. Sie sehen nicht, dass Ihr Nachbar einen Kampfhund hat. Sie wissen nicht, dass die Strasse nachts laut ist. Sie ignorieren den atemberaubenden Blick auf den Zürichsee. Genau hier liegt das Problem.

Laut einer Analyse der I&M Immobilien AG erreichen Online-Modelle bei Standard-Objekten eine Abweichung von 10-15 Prozent. Bei CHF 1 Million Marktwert sind das CHF 100’000 bis 150’000 Unsicherheit. Für eine erste Orientierung akzeptabel. Für eine verbindliche Verkaufsentscheidung? Riskant.

RealAdvisor Immobilienbewertung: Für welche Situationen ist sie ideal?

Wer eine schnelle, fundierte Ersteinschätzung braucht, ohne sich an einen Makler zu binden, steht vor einem konkreten Problem: Welches der vielen Online-Tools liefert verlässliche Werte? RealAdvisor hat sich genau auf dieses Szenario spezialisiert – die kostenlose Erstbewertung als Entscheidungsgrundlage.

Bei komplexen Fällen ergänzt eine Vor-Ort-Einschätzung die Online-Bewertung



Die Bewertung basiert auf 70 Kriterien – 20 zum Objekt selbst (Fläche, Zimmer, Baujahr, Zustand) und 50 zur Lage (ÖV-Anbindung, Schulen, Lärmbelastung, Quartierqualität). Das Tool kombiniert drei verschiedene Datenmodelle: aktuelle Inserate, abgeschlossene Verkäufe aus dem Swiss Real Estate Datapool und Eigentümerdaten. Das Ergebnis? Ein differenzierteres Bild als bei einfachen Vergleichsportalen.

3 Min

für eine vollständige Online-Bewertung mit detailliertem Bericht

Für wen eignet sich RealAdvisor besonders? Für Eigentümer von Standardwohnungen und -häusern, die eine erste Orientierung brauchen. Für alle, die wissen wollen, ob sich ein Verkauf lohnt – ohne gleich Makler ins Haus zu holen. Und für diejenigen, die quartalsweise die Wertentwicklung ihrer Liegenschaft verfolgen möchten.

Geeignet für



  • Erste Orientierung beim Verkauf von Standardobjekten


  • Vorbereitung auf Bankgespräche zur Hypothek


  • Langfristige Beobachtung der Wertentwicklung

Nicht geeignet für



  • Rechtlich verbindliche Bewertungen bei Erbschaft oder Scheidung


  • Luxusobjekte und stark atypische Liegenschaften

RealAdvisor bietet zusätzlich die Möglichkeit, nach der Online-Bewertung eine kostenlose Vor-Ort-Einschätzung durch einen lokalen Experten anzufordern. Diese Kombination – schneller Online-Check plus persönliche Beratung – deckt die meisten Verkaufsszenarien ab.

Wann ein professionelles Gutachten unverzichtbar ist

Manchmal führt kein Weg daran vorbei. Ein zertifiziertes Verkehrswertgutachten kostet zwischen CHF 1’000 und 3’000 – je nach Komplexität der Liegenschaft und Region. Das klingt nach viel Geld. Aber in bestimmten Situationen ist es die einzige Option, die rechtlich Bestand hat.

Brauche ich ein professionelles Gutachten?



  • Das Steueramt verlangt einen Nachweis für die Erbschaftssteuer


  • Bei der Scheidung besteht Uneinigkeit über den Immobilienwert


  • Die Liegenschaft ist atypisch (Luxus, historisch, Bauernhof)


  • Sie benötigen ein gerichtsfestes Dokument


  • Die Bank akzeptiert keine Online-Bewertung für Ihre Finanzierung

Ein detailliertes Verkehrswertgutachten umfasst laut Branchenstandard 14 bis 22 Seiten und benötigt zwei bis vier Wochen Bearbeitungszeit. Der Schätzer besichtigt die Liegenschaft persönlich, analysiert den lokalen Markt und erstellt ein rechtlich belastbares Dokument.

Meine klare Empfehlung: Wenn Sie eine Erbschaft abwickeln oder sich scheiden lassen, klären Sie zuerst mit dem zuständigen Amt oder Anwalt, welche Anforderungen gelten. Kantone wie Zürich haben andere Regeln als Graubünden. Erst dann entscheiden Sie, ob ein Gutachten nötig ist – oder ob eine kostenlose Bewertung mit Vor-Ort-Ergänzung reicht.

Ihre Fragen zur Immobilienbewertung in der Schweiz

Ist die Online-Immobilienbewertung bei RealAdvisor wirklich kostenlos?

Ja, die Online-Bewertung ist kostenlos und unverbindlich. Sie erhalten innerhalb von etwa drei Minuten einen geschätzten Marktwert und einen detaillierten Bericht per E-Mail. Es besteht keine Verpflichtung, danach einen Makler zu kontaktieren.

Wie genau sind kostenlose Online-Bewertungen?

Bei Standardobjekten (typische Wohnungen und Einfamilienhäuser ohne besondere Merkmale) liegt die Abweichung meist bei 10-15 Prozent. Bei atypischen Liegenschaften – etwa mit aussergewöhnlicher Aussicht, Renovationsstau oder besonderen Ausstattungen – kann die Abweichung grösser sein.

Akzeptiert meine Bank eine Online-Bewertung für die Hypothek?

Nein. Banken führen eine eigene Bewertung nach internen Kriterien durch. Die FINMA schreibt bestimmte Tragbarkeitsberechnungen vor. Eine Online-Bewertung dient Ihnen aber als Vorbereitung, um realistische Erwartungen zu haben.

Was kostet ein professionelles Verkehrswertgutachten in der Schweiz?

Ein zertifiziertes Gutachten kostet je nach Komplexität zwischen CHF 1’000 und CHF 3’000. Die Bearbeitungszeit beträgt zwei bis vier Wochen. Solche Gutachten sind bei Erbschaften, Scheidungen oder rechtlichen Auseinandersetzungen oft unverzichtbar.

Wann brauche ich einen zertifizierten Schätzer?

Wenn das Steueramt, ein Gericht oder die Gegenpartei bei einer Scheidung ein offizielles Gutachten verlangt. Auch bei atypischen Liegenschaften (Luxusobjekte, historische Gebäude, Bauernhöfe) ist eine Vor-Ort-Schätzung durch einen Experten empfehlenswert.

Ihre nächsten Schritte

Die Frage «kostenlos oder kostenpflichtig» lässt sich nicht pauschal beantworten – aber für Ihre konkrete Situation jetzt schon. Wenn Sie eine Standardwohnung besitzen und verkaufen wollen, starten Sie mit einer kostenlosen Online-Bewertung bei RealAdvisor. Sie haben in drei Minuten eine Orientierung und können danach entscheiden, ob Sie eine Vor-Ort-Einschätzung wünschen.

Falls Sie gerade eine Erbschaft regeln oder eine Scheidung durchlaufen: Klären Sie zuerst mit dem Steueramt oder Ihrem Anwalt, welche Dokumente verlangt werden. Die CHF 1’500 bis 3’000 für ein Gutachten sind gut investiert – wenn Sie es wirklich brauchen. Wenn nicht, haben Sie Geld gespart.

Die wichtigste Frage für Ihre Entscheidung: Wozu brauchen Sie den Wert? Wenn die Antwort «für mich selbst» oder «als Verhandlungsbasis» lautet, reicht kostenlos. Wenn die Antwort «für eine Behörde oder ein Gericht» lautet, brauchen Sie mehr.

Geschrieben von Matthias Bergmann, Immobilienberater mit Fokus auf Bewertung und Verkaufsbegleitung in der Deutschschweiz seit 2016. Hat über 400 Eigentümer bei der Wertermittlung ihrer Liegenschaften unterstützt, davon rund 60 jährlich mit konkreter Verkaufsabsicht. Spezialisiert auf die Frage, wann kostenlose Tools ausreichen und wann professionelle Gutachten nötig sind. Regelmässiger Referent bei Eigentümerverbänden zu Themen der Immobilienbewertung.